Is tango easy or terribly hard? A graphic artist goes on an adventurous trip into the world of
the tango - discovering, laughing, struggling,despairing, learning. Can I tango? Maybe!

Sonntag, 24. August 2014

Noise - Über den Lärm



We are constantly surrounded by uncountable sources of noise, calling our attention, overpowering our senses, causing distress and sometimes even pain. It is difficult to shut out noise from our perception – noise works directly. 

Wir sind ständig umgeben von unzähligen Geräuschquellen, die unsere Aufmerksamkeit in Beschlag nehmen, unsere Antennen abstumpfen lassen und manchmal sogar schmerzen bereiten. Es ist fast unmöglich, diesen Lärm auszuschalten, ihn aus unserer Wahrnehmung zu verbannen, denn Geräusche dringen direkt und ungefiltert in unseren Organismus ein, auch wenn wir es gar nicht aktiv wahr nehmen.

I have encountered a different type of noise. Which is at least as stressful as the acoustic noise. It is noise in Tango. No, I am not talking about the music - I would never call this noise unless maybe the sound equipment is overcharged and produces straining sounds. I don't even mean the unrestrained chatter on the dance floor of some dancing couples which is disturbing and could even be entitled as noise. No, I am talking about noise within the tango embrace. I have learned about the importance to keep stable within the embrace, not to hop around and give wild impulses. But only recently, in an intense training with Miles Tangos, have I encountered this word "noise" as the description of all the unnecessary, uncontrolled movements we do while dancing in an embrace. Well, to be honest, I do lots and lots and lots of them and I didn't even know! Once you get your perception focused on the many waverings, ups and downs and little jerks your body unconsciously does, you realize how much straining noise this must be to a dance partner who actually LISTENS to all those movements! It is as if he asks for a simple answer and you gush him with thousand unnecessary words, not omitting your meeting with an old friend the other day or your shopping success of this morning and... Noise! There is no room for noise in Tango, there is enough noise in the world around us. 

Ich habe eine neue Lärm-Quelle kennen gelernt. Eine ebenso anstrengende wie der akustische Lärm. Es ist der Lärm im Tango. Nein, nein - ich rede nicht von der Musik, die würde ich nie als Lärm bezeichnen, es sei denn sie kommt aus übersteuerten Anlagen. Und ich meine auch nicht das ungebremste Schnattern mancher Paare auf der Tanzfläche, was eigentlich schon als Lärmquelle durchgehen würde. Nein, ich rede vom Lärm innerhalb der Umarmung eines Tanzpaares. In meinem noch recht jungen Tangoleben habe ich gelernt, wie wichtig es ist, eine verlässliche, ruhige Umarmung zu erzeugen, nicht wild herum zu hüpfen, mit den Schultern zu zucken oder andere Impulse zu geben. Aber erst kürzlich habe ich in einer intensiven Trainingseinheit mit Miles Tangos den Begriff "Lärm" als Beschreibung all dieser unnötigen und irritierenden Bewegungen kennen gelernt. Und er passt perfekt! Leider muss ich gestehen, dass ich Unmengen von solchem Lärm beim Tanzen produziere, bisher ganz ohne es zu wissen! Wenn man sich aber mal auf diese vielen unkontrollierten Bewegungen konzentriert, das Hin- und Herschwanken, Zucken, Arme bewegen, die Höhen-Veränderungen etc., dann ahnt man, was für ein Lärm das für einen Tanzpartner sein muss, der diesen Bewegungen richtig zuhört. Es ist ein wenig als würde er eine klare Frage stellen und ich überschütte ihn, anstelle ebenso klar zu antworten, mit einem ungebremsten Redeschwall über dies und das und überhaupt, ohne Punkt und Komma. Lärm! Im Tango ist kein Raum für so viel Lärm, davon gibt es in der Welt da draußen eh schon genug. 

I have vigorously been working on trying to shut up that noise, to reduce all body movement except the one now necessary, disassociating my upper body from the lower in order to execute movement in the lower part while keeping my upper body calm and quiet. I can only eliminate this noise when I have control of my movements, when I know where and how to place my feet, how to turn, how to move, how to disassociate – the whole basic technique part. And that's what I am working on. No figures and smashing combinations, no, just building up the muscles in my feet, legs and back, working on my walk again and again, controlling every movement I make without becoming stiff, slowly becoming a quiet dancer and a better listener. Sometimes I can feel the calm spreading inside me. It feels good and I know I am heading the right direction.

Seit dieser Erkenntnis arbeite ich konsequent daran, diesen Lärm zu verringern, die unnötigen Bewegungen meines Oberkörpers soweit es geht zu unterbinden, Oben und Unten zu entkoppeln so dass die Bewegungen der Beine keinen Einfluss auf den Oberkörper haben und dieser möglichst ruhig und still bleibt. Der einzige Weg das hin zu bekommen ist es, meine Bewegungen zu kontrollieren, bis zum Abwinken an den Grundlagen, an meiner Technik zu arbeiten. Und das tue ich. Keine schönen Schrittfolgen, Figuren, schicken Tricks, nur Training der Muskeln von Füßen, Beinen, Rücken, kontrollierter Ablauf von einzelnen Bewegungen, und natürlich gehen, immer wieder gehen. Ich merke, wie es ruhiger in mir wird, klarer. Und mit der Zeit wird das auch in meinem Tanzen ankommen – das fühlt sich gut an!

Mittwoch, 11. Juni 2014

Virgin Soil



Wie aufregend! Ich habe gerade jungfräulichen Boden betreten! Nach fast 2 Jahren Tango Unterricht als Folgende, hatte ich meine erste Stunde als Führende. Und es ist, als würde sich ein weißer Fleck auf meiner Landkarte plötzlich mit Farbe füllen. Die Perspektive ist eine so andere! Ich merke schon jetzt, wie sich ein Bild vervollständigt, eine andere Ebene dazu kommt, die den Sinn erst aufschlüsselt... Ich bin gespannt, was das noch alles mit sich bringt! Weiter unterwegs auf dem großen Meer...

I am so excited! I just have thread on virgin soil! After nearly 2 years of tango lessons as a follower, I have changed sides and had my first lesson as a lead. The perspective is soooo different! It feels as if a white space on my map suddenly fills with color - a hill here, a little town there, a river... The picture completes itself, the newly added layer makes sense and allows me to feel tango as a whole. I am very curious, what kind of experiences this will bring! Still at sea...

Dienstag, 27. Mai 2014

Grounded



Seit meiner ersten Tango-Stunde erzählen meine Lehrer mir, dass ich mit den Füßen auf dem Boden bleiben muss, dass ich "in den Boden hinein" laufen soll. Am Anfang jeder Stunde steht demzufolge auch immer das Gehen, das Kontakt mit dem Boden aufnehmen. Erst jetzt habe ich eine Ahnung davon, was sie meinen. Natürlich haben wir Kontakt zum Boden, zwangshalber quasi, Schwerkraft sei Dank. Im Tango ist der Bodenkontakt meist minimal, nur zwei Füße, meist nur zwei Ballen oder eher nur ein Ballen. Auf dem steht das ganze, latent pendelnde Gewicht des Körpers. Unser Leben lang trainieren wir, die Füße zu heben, über Hindernisse zu schreiten, nicht zu Schlurfen. Im Tango soll der Boden plötzlich unser Freund sein, sollen wir Kontakt aufnehmen, in den Boden laufen...

Since my first tango lesson I have been told to keep my feet on the ground, to walk "into" the floor. At the beginning of each class, we therefore walk and get in contact with the floor, feel it. But only now do I have a notion of what my teachers are talking about. Obviously, we always are in contact with the floor, no way around it on this planet thanks to gravity. When dancing tango, there is only minimal contact to the ground - only two feet, rather two balls or rather one, carrying the entire weight of the wavering body above. Our entire life we are taught to lift our feet, to step over obstacles like tripping stones, not to drag our feet or scuffle. With tango, the ground suddenly is supposed to be our friend, we are to get in contact with it and walk into it...?

Heute fühlt sich dieser Bodenkontakt schon ganz anders an. Ich spüre immer mehr, wie mich der Boden tatsächlich trägt, fast als würde Energie durch den Boden in meine Ballen und in den restlichen Körper strömen. Das beste Bild dafür ist eine Carrera-Bahn, diese Spielzeug Rennautos, die wie von Geisterhand gesteuert eine waghalsige Bahn entlang sausen, bis sie irgendwo aus der Kurve fliegen und wie ein Käfer auf dem Rücken liegen bleiben. Sie bekommen ihre Energie durch einen Schleifer, einen Streifen leitendes Gewebe, welches den Kontakt zwischen Auto und Bahn hält. Liegt der nicht richtig auf, kann sich das Auto nicht bewegen, erhält es keine Energie. Ich stelle mir manchmal vor, ich hätte so einen Schleifer unter den Sohlen meiner Schuhe. Solange ich Bodenkontakt halte, fließt die Energie in mich hinein. Ich kann sogar ein wenig die Füße heben, der Kontakt bleibt noch bestehen, als würde das Carrera-Auto kurz bei einem Sprung abheben, wieder auf der Bahn landen und weiter fahren. Es ist ein Unterschied wie Tag und Nacht, ob dieser Bodenkontakt da ist, oder nicht. Ich stehe besser, kann meine Balance besser halten und fühle mich auch irgendwie runder beim Tanzen. Es lohnt sich, Kontakt aufzunehmen, dann trägt der Boden einen wie ein guter Freund.

Today, this ground-contact already feels very different to me. More and more I feel the ground carrying me, a little as though there were an energy flowing from the ground through my feet into my body. The best image for this I have found is a slot car, one of these toy racing cars which seem to be run by magic on a speedy track. If run too recklessly, they jump out of the track and lie there as helpless as a bug on it's back. They get their energy through a piece of conducting cloth on their bottom side, which they drag along, always keeping in contact with the track. Without this contact, they can not move. I sometimes imagine having such contact-strips under my feet. As long as I keep in contact with the ground, energy will flow. But I have to keep the contact all the way through. As with a small jump of the slot car, I can also lift my feet of the ground only to return into the contact-position again. It makes a huge difference if I feel this ground contact of if I don't. I stand better, can keep my balance better and simply feel rounder and better in my tango. It's worth it, working on this contact to the ground - he will carry you like a good friend.




Samstag, 17. Mai 2014

Raus auf die Piste


Endlich habe ich mich wieder auf die Piste getraut. Etwas zögerlich und verhalten, gewappnet mit dem Gedanken, auch nur mit dem Zuschauen und dem Genuss der Musik zufrieden zu sein, fuhr ich in die Metropole, um mich unters Milonga-Folk zu mischen. Den ersten Pluspunkt hatte der Abend, als ich problemlos einen Parkplatz fand. Als ich in der Milonga ankam, war sie schon gut gefüllt – zufriedene, blubbernde Lebendigkeit schwappte mir mitsamt den Tango-Klängen entgegen. Ich zog meine Schuhe an und beobachtete die Szenerie zunächst im Stehen, mit entsprechend gutem Überblick, bis ich einen Stuhl ergattern konnte. Die Musik stimmte. Man könnte monieren, dass der DJ auf Nummer sicher ging und nahtlos eingängige "Hits" aneinander reihte. Oder man lässt es. Mir kam es sehr entgegen. Ich kannte wohl jedes zweite Stück und genoss die Musik in vollen Zügen, ausgehungert wie ich war. Es war einfach nur schön! Die Tanzfläche war gut gefüllt, keine wilden Störfeuer, ganz im Gegenteil, eine Vielzahl interessanter Tänzer, die ich mit viel Freude beobachtete. Schon jetzt wäre der Abend tatsächlich ein Erfolg gewesen. Als ich aufgefordert wurde, war ich fast ein wenig überrascht und auch etwas zögerlich ob meiner Fähigkeiten, mich in eine Umarmung und den Tanzstil eines unbekannten Tänzers einzufinden. Das ist etwas, was ich in den letzten Monaten zu wenig trainiert habe. Aber die Angst war ohne Not. Es lief meinen Fähigkeiten entsprechend wundervoll und ich schwebte nach der Tanda glücklich zu meinem Stuhl zurück. Das ging so den restlichen Abend weiter - genügend Pause zwischen den Tandas um wieder etwas abzukühlen, genügend Tandas, um nicht kalt zu werden. Glücklich und voller Tango-Musik fuhr ich wieder nach Hause - fast habe ich mit dem Auto Tango getanzt!

Die Moral von der Geschichte? Weiter so!! Meine Tango-Fähigkeiten wachsen, jedoch habe ich anscheinend immer noch einen Drang weg vom Partner oder zu viel eigene Energie, was beides das feinere Führen unterbindet. Alle Tanzpartner nahmen mich mit der Zeit fester in den Arm, versuchten mich enger zu führen. Das fühlt sich nicht so schön an, ist aber wohl selbst fabriziert. Da muss ich noch etwas weiter dran arbeiten...

Montag, 5. Mai 2014

Jenseits der ersten Verliebtheit - Beyond the Infatuation

Nach fast 2 Jahren intensiver Beschäftigung mit dem Tango durchlebe ich gerade eine sehr stille, Tango-arme Phase. Das erkennt man unschwer an den ausbleibenden Posts der letzten Monate. So richtig geht es nicht voran, ich habe wenig Gelegenheiten, Tanzen zu gehen, viele familiäre Verpflichtungen, die mich immer wieder davon abhalten. Dazu kommen noch ein paar eher unschöne, frustrierende Milonga-Erlebnisse und dann überraschend das erste Mal der Gedanke: Und wenn ich jetzt einfach damit aufhöre und den Tango ad acta packe? Diese ganze Mühe, die vielen Abende unterwegs mit den für mich meist langen Anfahrten, die manchmal so komplizierte Aufforderungs-Situation auf Milongas, der durchaus weit verbreitete Snobismus, die Kosten der vielen Stunden Unterricht, die Selbstzweifel, die Verzweiflung, wenn es einfach gar nicht oder nur sehr schleppend voran geht... Warum tue ich das eigentlich?

After nearly two years of intensive occupation with tango and it's universe, I am living through a rather calm, tango-arid phase. The missing posts of the last month tell the tale. Somehow, things are not evolving. I have little opportunity to go dancing and have had a few frustrating milonga-experiences. And then, out of the blue, the thought jumped at me: What if I simply stop and call it a day? All the pain I go into to take lessons, to find the time, all those evenings fought free to go out dancing, often with long drives and late nights, the sometimes so complicate way to actually get to dance, the widely spread snobbism of the in-crowd, the costs of lessons the self-doubt, the dispair when things just don't move. Why do I do this?

Eine Weile lang marschiert man unverdrossen auf ein Ziel zu, voller Erwartung, es zu erreichen, voller Vorfreude, mit Elan und der Überzeugung, alles für dieses Ziel aus dem Weg räumen zu können. Ein wenig ist es wie eine Verliebtheit. Alles scheint möglich und man kann sich nicht vorstellen, dass in ein paar Jahren eine bestimmte Angewohnheit des geliebten Partners einen zur Weißglut bringen kann, unendlich scheinen die Reserven an Toleranz und Freude. Aber dann, mitten im Galopp, merkt man, dass sich etwas geändert hat. Wenn ich es so betrachte, ist meine erste Verliebtheit mit dem Tango vorbei. Ich schaue etwas mehr hinter die Kulissen, sehe Falten und Speckröllchen, sehe, wie weit das Ziel noch entfernt ist... Hänge ich den Tango jetzt an den Nagel, ein altmodischen gerahmtes Bild, welches mich an eine schöne vergangene Zeit erinnert?

For a certain while, you can march towards a goal assiduously, filled with the expectation to reach it, full of anticipation, with vigor and with the conviction to be strong enough to move all obstacles out of the way. In a way, this resembles an infatuation. Absolutely everything seems obtainable and it is impossible to imagine that in a few months or years, a certain habit of the beloved will have the power to drive you mad. The resources of tolerance and joy seem infinite. And then, out of nowhere, things change. Looking at it this way, it seems my first infatuation with tango has ebbed away. I am looking beyond the facade, I see the wrinkles and love handles, see how far away I still am of my tango nirvana. Shall I just chuck it? Hang it on a nail, a picture in an old-style frame to remind me of the days gone by?

Ich muss dringend zusehen, mir wieder ein paar schöne Tango-Erlebnisse zu schaffen, damit der Funke nicht erlischt. Ein paar schöne Milongas, inspirierenden Unterricht, Impulse. Natürlich gebe ich noch nicht auf. Mal schauen, ob aus dieser Affäre nicht doch noch eine reifere Liebe wird...

I urgently need to produce a few inspiring and joyfull tango experiences to keep the spark glowing. One or two pleasant Milongas would do. Or inspiring lessons, any sort of impulse. You certainly knew it before me - I will not give up. Lets see if  we can turn this infatuated affair into a profound affinity...

Montag, 17. Februar 2014

Hugs for Free

Hugs for free...

Tango is a peace and happiness booster! Well, didn't we know... There are many theories for this, here is my newest one: When we are dancing tango, we are very intensely hugging and being hugged in the embrace. According to the neuro-economist Paul Zak, hugging is the easiest way to lift your bodies oxytocin-level. In search for the "moral molecule" he investigated the effect of oxytocin on social behavior and has found out that it makes you more generous, trustworthy and empathic. Oxytocin seems responsible for social connection. But scientists have found even more stunning effects: it reduces stress by reducing the stress hormone cortisol, hereby strengthening the immune system. It reduces pain and fear, improves your ability to learn and works as an antidepressant. Remember, all of this released by intense hugging.

Tango ist der ultimative Turbo für Zufriedenheit, Glück und Gesundheit! Okay das wusste ihr schon... Zu den Theorien, warum das so ist, füge ich meine derzeit neueste hinzu: Die Umarmung des Tangos ist dafür Hauptverantwortlich! Nach Aussage des Neuro-Ökonoms Paul Zak ist die Umarmung der schnellste Weg, seinen körpereigenen Oxytocin-Spiegel zu heben. Dieser hingegen ist laut seinen Erkenntnissen verantwortlich für das Sozial-Verhalten, für Vertrauen und Empathie. In den letzten Jahren haben sich viele Wissenschaftler intensiv mit diesem Hormon auseinandergesetzt und haben eine Vielzahl von Wirkungsbereichen gefunden. So baut Oxytocin das Stress-Hormon Cortisol ab, ist also ein Stress blocker und stärkt damit gleichzeitig das Immunsystem. Es reduziert Schmerz und Angst, verbessert die Lernfähigkeit und wirkt als Antidepressiva. Ich erinnere noch mal - all dies wird ausgelöst durch die intensive Umarmung des Tangos.

The fact that the oxytocin-producing embrace strengthens general happiness and social stability gives a total new, biologic aspect to the social environment of a milonga (see my post about the connection at a milonga). If this oxytocin connects me empathically with my dance partner and I dance with several other people at a milonga who also have danced with other people, a network of oxytocinal connection spreads between us and makes us social, trustworthy and happy. This would also bring a new perspective to those milongas where I did not dance, was not embraced (for whatever reason), was not part of the social group of oxytocin-impregnated dancers swirling around the room and felt terribly lonely after a few hours.

Unter diesem Aspekt kann man noch mal ganz neu über das soziale Gefüge einer Milonga nachdenken, unter rein biologischen Gesichtspunkten (siehe meinen Post über die zwischenmenschlichen Verbindung auf einer Milonga). Wenn Oxytocin dafür verantwortlich ist, dass ich mich vertrauensvoll verbunden fühle mit meinem Tanzpartner, und ich habe mit einigen unterschiedlichen Tänzern getanzt, die wiederum mit anderen Tänzern getanzt haben, so erstreckt sich ein oxytocinales Netzwerk zwischen uns, welches uns alle zusammen vertrauensvoll, sozial und glücklich macht. Nun verstehe ich auch, warum ich auf Milongas, bei denen ich nicht zum Tanzen (also zum Umarmen) kam, aus was für Gründen auch immer, mich nach einer Weile so einsam und ausgeschlossen fühlte, während die anderen oxytocin-geschwängert durch den Raum schweben.

I have heard of "hugging-groups" forming especially in large towns, trying to give us those hugs we so badly need to feel socially connected and to reduce our stress-level. Well, we tango-dancers just don't need those! Every time we go dancing, we are hugged intensely by a variety of people. Top of the hill! It would be important to mention that we are talking close embrace here.

Ich habe gelesen, dass es "Kusche-Gruppen" gibt, besonders in Großstädten, die uns ausgehungerten Menschen durch innige Umarmungen zu mehr Zufriedenheit helfen sollen. Die gute Nachricht: Wir Tango-Tänzer brauchen das nicht! Wir werden bei jeder Milonga ausgiebig und intensiv in den Arm genommen, umarmt, Oxytocin-Welle inklusive. Natürlich trifft das eher für die enge Umarmung zu.

And here is another goody on top: The German Neurobiologist and brain researcher Martin Korte published a book about how to stop or at least slow down the aging process of our minds (Martin Korte: Jung im Kopf - Erstaunliche Einsichten der Gehirnforschung in das Älterwerden). His wisdom in a nutshell: 1. Move! Sport strengthens the mind. 2. Use your brain regularly by learning (a new language for example). 3. Cultivate social contacts. Now here is the fun part: the optimal combination of those three according to Martin Korte is to dance! Moving, complex and social in one go. While there are certainly dances which have more of a sportive energy ( i. e. Salsa or Lindy Hop), no other dance reaches the complexity of tango, it being an improvisational dance and no other dance cultivates the embrace as an essential element as does tango with all it's side effects (see above). So tango is a fountain of youth next to being the ideal stress reducer and happiness booster! Lets go dancing!

Und jetzt noch einen oben drauf: Der Neurobiologe und Gehirnforscher Martin Korte hat ein Buch über das Altern des Genirns geschrieben ( Martin Korte: Jung im Kopf - Erstaunliche Einsichten der Genirnforschung in das Älterwerden), und untersucht, wie man den Alterungsprozess stoppen oder zumindest bremsen kann. Die Quintessenz: 1. Mehr Bewegung. Sport stärkt das Gehirn. 2. Gehirn benutzen. Lernen fördert die Fähigkeiten des Gehirns. 3. Sozialkontakte pflegen. Bei intensiven Sozialkontakten, Umarmung etc. werden wichtige Stoffe ausgeschüttet, die unser Gehirn fit halten. Martin Kortes Empfehlung, alle drei Punkte zu kombinieren: Tanzen! Bewegung, Komplexität und Soziale Struktur in einem. Es gibt sicher Tänze, die sportlicher sind als der Tango (man denke nur an Salsa oder Lindy Hop), aber kein anderer Tanz ist so komplex durch seine Improvisations-Grundlage. Und kein anderer Tanz kultiviert so wie Tango die Umarmung als Ausdruck des Tanzes, mit allen Nebenwirkungen (siehe oben). Tango scheint also der Jungbrunnen per se zu sein, der ideale Stress-Abbauer und Zufriedenheits-Turbo! Wollen wir tanzen?

Here is an interesting lecture of Paul Zak about oxytocin:
Hier ist ein spannender Vortrag von Paul Zak zum Thema Oxytocin:






Sonntag, 2. Februar 2014

Seen by Daylight - Bei Tageslicht betrachtet



Bei Tageslicht betrachtet lasse ich meine Milonga-Erfahrungen an diesem Wochenende revue passieren. Und irgendwie komme ich nicht drum herum, einen kürzlich auf der Facebook-Seite von Tango in Hamburg gelaufenen Thread einer Gast-Tanguera aufzugreifen.

Die Frage ist: Wie komme ich als unbekannte Tanguera auf einer Milonga zum Tanzen? Das betrifft nicht nur die Tangueras von Auswärts sondern auch solche, die nicht regelmäßig zu eben dieser Milonga gehen. Aus den Kommentaren in diesem Thread, meinen eigenen Erfahrungen und aus Diskussionen mit anderen Tangueras habe ich die meiner Meinung nach wichtigsten Gedanken zusammen gefasst:

In clear daylight, I revisit my milonga experiences of this week-end. And I feel the need to pick up a thread of a guest-tanguera that recently occurred on the Tango-in-Hamburg page of Facebook.

The Question is: How does an unknown tanguera get to dance on an milonga? This does not only apply to guest tangueras but also to those not regularly visiting this specific milonga. I have put together a collection of thoughts, a mix of ideas posted on this thread on facebook, my personal experience and ideas arising in discussions with other tangueras:

Tipps für Tangueras
  1. Komme eher frühzeitig zur Milonga.
  2. Nimm Kontakt mit den Veranstaltern auf.
  3. Wechsel Deine Schuhe an prominenter Stelle.
  4. Setze Dich nicht in die hinterste dunkle Ecke.
  5. Bring einen befreundeten Tänzer mit, um zumindest ein mal "vorgetanzt" zu werden.
  6. Übe Dich in der Mirada. 
  7. Der Cabeceo beinhaltet ein eindeutiges Auffordern. Nur alleine Starren reicht nicht.
  8. Suche das Gespräch mit anderen Tänzern. 
  9. Signalisiere am Anfang einer Tanda durch Unterbrechung des Gesprächs und eindeutige Blicke, dass Du tanzen möchtest.
  10. Wechsele Deine Position - geh an die Bar, gehe auf die Toilette und nimm Dir Zeit, durch den Raum zu stromern. Das erhöht Deine Sichtbarkeit.
  11. Ah, ich vergaß: sei entspannt und erwarte nichts.

Tipps for tangueras:
  1. Arrive early at the milonga.
  2. Establish contact with the host.
  3. Change your shoes in a prominent position.
  4. Do not sit in the darkest corner.
  5. Bring along a friend so that you have at least one tanda to show you can dance.
  6. Cultivate the mirada.
  7. The cabeceo implies an explicit invitation, a nod with the head for example. Just staring does not count.
  8. Engage other guests in a conversation - small talk will do.
  9. At the beginning of a tanda stop talking and look for dance partners.
  10. Change your position - hang around the bar, go to the toilet taking lots of time to stroll along the dance floor. Everything to increase your visibility.
  11. And - I nearly forgot - relax! And reduce your expectations to zero.

Und aus dem Blickwinkel der Herren:
  1. Es ist unangenehm, ständig angestarrt zu werden. Wenn er nicht reagiert ist er nicht interessiert oder verwendet den Cabeceo nicht. Hör auf ihn mit Blicken zu durchbohren.
  2. Die Attraktivität einer schon etwas säuerlich vor sich her starrenden Tänzerin ist eher gering. Und wird im Laufe des Abends eher noch geringer. (Es ist ein bisschen wie an der Fleisch-Theke: das, was schon länger liegt, setzt Farbe an und wird nicht mehr gerne genommen.)
  3. Die Überzahl an einzelnen tanzwilligen Frauen auf Milongas kann eine Goldgrube oder aber ein schwerer Druck sein, je nach Typ und Tagesform.

And from the perspective of the tangueros:
  1. It is annoying to be stared at constantly. If he does not react, he is not interested or he does not use the cabeceo. Stop transfixing him.
  2. The attractivity of a tanguera who is sitting for ages with a sourly staring look tends towards zero. And is reduced even more in the course of the evening (you could compare it a bit to the meat counter - pieces that have been sitting there longer acquire a certain tint and are no longer sold to regular fares).
  3. The large number of free single tangueras at a milonga can be a gold mine or a burden, depending on mindset and form of the day.

Alle, die zu einer Milonga kommen, wollen Tanzen.
Nicht alle wollen mit allen tanzen. 
Wir alle, die wir auf eine Milonga gehen, schaffen die Energie und die Stimmung dieser Milonga. Wir lassen sie schön oder besonders oder auch ausgrenzend und langweilig werden.
Ich breche mir keinen Zacken aus der Krone, wenn ich auf jeder Milonga zumindest eine mir unbekannte Tanguera auffordere. (Wenn ich auf Nummer sicher gehen will, fordere ich sie erst gegen Ende der Tanda auf.)

Everyone visiting a milonga comes with the intention to dance.
Not everyone wants to dance with everybody.
All of us at a milonga create its energy and atmosphere. Its we ourselves that make it a special and touching experience or a segregating and boring one.
It won't hurt a tiny bit to ask at least one unknown tanguera to dance at every milonga. It could even be very enjoyable (If I want to make sure it does not hurt, I invite her towards the end of the tanda).

Auch wenn ich dieses Wochenende fast alle Tipps auf meiner Liste beachtet habe, war, neben meinem Bekannten, der einzige Tänzer der mich aufforderte ein Gast, ein Auswärtiger. Das war eine schöne, entspannte Tanda. Ich habe auch beobachtet, wie eben jener Gast eine andere Tanguera, die schon den ganzen Abend vor sich her saß, aufforderte und sie so die einzige Tanda des Abends tanzen konnte. Seine Partnerin wurde nicht aufgefordert. Manchmal wünsche ich mir, es würden auf eine Milonga nur Gäste kommen.

Ich freue mich über Eure eigenen Gedanken und Einblicke!


This week-end, I applied nearly all of those wise tipps. But still I had only one dance with another tanguero a part from my friend-tanguero. I was invited by a visiting guest and had a very pleasant tanda with him. Later on I observed that this guest asked another dancer who had been sitting the whole evening and thereby had her dance the only tanda of the eveing. A very fine dancer she was by the way. No need to mention that his own partner was not asked to dance. Sometimes I long for a milonga with ONLY guests...

I very much appreciate your opinions, ideas and experiences!




Samstag, 18. Januar 2014

Humorous and Concise Tango Truisms

Ich habe ein neues Lieblingsbuch, in dem ich seit einigen Wochen begeistert hin und her blättere. Es ist die humorvoll pointierte Sammlung an Tango-Gedanken von Miles Tangos, im Original lapidar "Tango Truisms" genannt. Das übersetze ich ebenso lapidar in "Tango Binsenweisheiten" oder "Tango Klugschiss". Die Sammlung umfasst 460 kurze, prägnante Gedanken zum Tango in allen seinen Dimensionen: Technik, Übungen, Hintergründe, Anatomie, Beobachtungen, Milonga-Regeln, Milonga-Realität, Musik, Musikerportraits, Fehler, Rollen, Führen, Folgen, Unterrichten... Der rote Faden ist der Tango und die Tango-Erfahrungen des Autors.

I have a new favorite book I have been flipping through these last weeks with growing enthousiasm. It is the humorous and concise collection of tango-thoughts in a nutshell by Miles Tangos, which he himself cheekily called "Tango Truisms". 460 short, concise thoughts about Tango in all its dimensions - technique, practice, backgrounds, anatomy, observations, milonga-rules, milonga-reality, music, portrays of musicians, mistakes, lead, follow, teaching - you name it! The thread is Tango itself and the Tango dance and teaching experience of the author. 

Die Notizen waren als Erinnerungen und Fokus-Möglichkeit für seine Schüler gedacht. Mit der Zeit ist die Sammlung allerdings so sehr gewachsen und ist inhaltlich so umfassend geworden, dass es für jeden Tango-Tänzer eine Freude und Bereicherung ist, darin zu blättern. Man kann kreuz und quer blättern, die Themen sind bunt gestreut mit Querverweisen, so dass man auch ein bestimmtes Thema weiter verfolgen kann. Oder sich durch die Welt des Tangos treiben lassen kann. Bei meiner E-Book-Version kann ich über die angefügten Links mir gleich zu dem Thema passende Beispiele und Filme anschauen. Mir gefällt vor allem die ironisch-humorvolle Art mit der Miles seine Gedanken auf knappstem Raum auf den Punkt bringt, manchmal eher auf Messers Spitze, so scharf sind sie formuliert - hier wird nicht um den Brei geredet. Oft musste ich beim Lesen schallend lachen. Oder nachdenklich eine Pause machen. Unterm Strich machen sie alle Lust auf Tango, Lust weiter und immer weiter zu lernen!

At first, these notes were meant to be reminders, focus points for his students. With time, the collection grew and grew and became incredibly comprehensive. It is a joy to read and opportunity to grow for everyone seriously interested in improving his or her dance. You can flip through the pages criss cross as the Truism are not structured by themes but written as the themes arose. Due to cross links at the end of every Truism, you can also follow one theme throughout the book. Miles added many links with examples and film clips which makes the e-book version very useful. 
I especially appreciate the ironic-humoristic style of these Truism, their clear thoughts brought right to the point, sometimes even to the point of a knife. No beating about the bush here. Often I had to stop to laugh out loud. Or to think more profoundly about what has been said. But every Truism nourished in me the want for more tango, desire to continue to learn! 

Ich habe eine kleine Auswahl übersetzt, um einen Eindruck zu vermitteln und vielleicht den einen oder die andere anzustecken mit meiner Begeisterung. So recht konnte ich mich gar nicht entscheiden, welche Truisms ich auswählen soll. Am besten: selber lesen!

Here is a small collection of examples meant to give an idea of what these Truisms are about and maybe to infect one or the other with my enthusiasm. I had trouble making a choice, but here they are. Best would be: Read them yourself!

TT 1: Tango handelt vom Gehen. Wenn Du an Deinem Gehen arbeitest, arbeitest Du an Deinem Tanzen. Wird Dein Gehen bemerkenswert, wird es auch Dein Tanz. Bleibe mit den Füße auf dem Boden, immer, dann wird Dein Tanz geerdet, klar und verbunden.
Notiz: Sieh zu, dass Dein Gehen makellos wird, stabil, klar, einfach, sicher, elegant und kontrolliert und - sollte ich es noch nicht erwähnt haben: makellos, so dass Du keinen Partner brauchst, der mit Dir in welcher Form auch immer geht, um Dich zu stabilisieren, zu schieben, zu ziehen, zu hängen... Dann bist Du auf dem Weg zum "guten" Gehen, und somit zum "guten" Tanzen!

TT 49: Leidenschaft, so wie Du sie Dir vorstellst, ist eine Illusion im Tango.
Starke Meinung: Tango ist eine Verschmelzung von Technik, musikalischer Klarheit, Reinheit von Form und Vokabeln (nur als Anfang). Und mentale Auffassungskraft! Unterricht, Lernen ist der Schlüssel, um die Spielsachen unter dem Tango-Weihnachtsbaum zu sehen! Sicher gibt es Gefühle hier und vielleicht glaubst Du, "Leidenschaft" zu sehen, aber das ist falsch! Was Du siehst, ist starke Konzentration, ein sehr waches Bewusstsein und kinästhetisches Zuhören. Wahrnehmung ist alles. Lass Dich nicht täuschen!

TT 76: Schafen. Essen. Tango tanzen. Wiederholen. Vielleicht nicht genau in dieser Reihenfolge.

TT 195: Das merkwürdige ist, dass, trotz all dieser Arbeit, trotzdem man schon zig mal die Flinte ins Korn werfen wollte, es einfach unsäglich viel Spaß macht!

TT 273: Leider wird "gesellschaftliches" Tanzen NICHT in Tango-Kursen unterrichtet.
Notiz: was wird denn dann in den Kursen unterrichtet, wenn nicht das gesellschaftliche Tanzen auf Milongas? Schritte, Schrittfolgen, abstrakte Techniken, die man kaum auf einer Milonga einsetzen kann, es sei denn man ist Juana, Chicho, Sebastian, Mariana oder so. Fairerweise muss man sagen, dass es unsäglich schwer ist, gesellschaftliches Tanzen zu unterrichten. Es geht mehr um das Üben dessen, wie man sich auf einer Milonga verhält, wie man jemanden zum Tanzen auffordert, was man tanzt und wann, wie man über die Tanzfläche navigiert, wen man auffordert, wann man auffordert. Es geht um all das, was drum herum geschieht - der soziale Teil. 

TT 317: Der Führende ist verantwortlich für den Beat, die Folgende für alles andere, was zwischen den Schlägen passiert!

TT 356: Die Pause in der Musik ist unsäglich wichtig für Deinen Tanz! (für Führende wie Geführte)
Notiz: Warum? 3 Gründe:
1) Pausen sind einzigartige "Reset"-Knöpfe. Ordne die Umarmung neu, ordnet Euch selber neu!
2) Pausen sind der logische Platz für eine Änderung des Tanz-Vokabulars
3) Struktur der Musik! Das heißt, dass Du hier eine andere Idee gegenüber der gehörten Musik einführen kannst, um sie etwas heraus zu kitzeln: musikalisches Phrasieren über die Wahl des Tanz-Vokabulars!

TT 361: Manche reden einfach gerne. Sie sind nervös, unsicher über das was passiert, sie möchten gerne jemanden näher kennen lernen, also reden Sie beim Tanzen. Um es ganz klar zu machen: Das ist kein Tanzen, das ist Reden während man sich zu Tango-Musik bewegt! Hier ist ein sehr hilfreicher Vorschlag, der Dir in den kommenden Jahren viel Nutzen bringen wird, der helfen wird, die Qualität des Tanzens im ganzen Raum zu verbessern, ebenso die Deines Tanzpartners und der überhaupt jeden um Dich herum unsäglich glücklich machen wird: HALT DIE KLAPPE! (Du wusstest, dass das kommt, oder?)


TT1: Tango is a Walking Dance. If you work on your walk, you are working on your dance. Make your walk amazing and your dance will be amazing. Keep your feet to the ground at all times, and your dance will become grounded, clear and connected.
Notation: Make your walk clean, stable, clear, simple, safe, elegant, controlled and did I mention clean, where you do not need a partner to walk with you in any way, shape or form, to stabilize you, push or pull or "hang"... and you have started on the path to a "good" walk, and therefore a good dance!

TT 49: Passion, as you understand it, is an illusion in Tango.
Strong Opinion: Tango is a fusion of technique, musical clarity, cleanliness of form and vocabulary (just for starters). It is also acute mental perception! Education is the key to seeing the toys under the tree of tango! While there may be emotion there, and you think you are seeing "passion", you're not! What you're seeing is intense concentration and acute awareness and kinesthetic listening. Perception is everything. Don't be fooled.

TT 76: Sleep. Eat. Tango. Repeat. Perhaps not in that order.

TT 195: The odd part is, that through all that work, and throwing in the towel a zillion times or more, it is still insanely fun!

TT 273: Unfortunately, "Social" Dancing is NOT taught in classes.
Notation: What's taught in classes if not Social Dancing? Steps, patterns, and abstract techniques that you can't really use on a social dance floor unless you're Juana, Chicho, Sebastian, Mariana... etc.
To be fair, social dancing is insanely difficult to teach. It is a practice more than anything else of how to be at a Milonga, how to invite someone to dance, what to dance to and when, how to navigate the floor, whom to invite, when to invite. It's all the other stuff that surrounds it - the social part.

TT 317: The Lead is responsible for the beat, and the Follower is responsible for everything else that happens between the beats!

TT 356: The musical pause, or rest, is insanely important to your dance! (for lead AND/OR follower)
Notation: Why? 3 Reasons:
1) It is tango's singular reset button. Reset the embrace, reset each other. Just reset!
2) It is the logical place for a lead to change vocabulary!
3) Musical structure! This means that you can impose a different idea to what you're hearing in the music to tease it out, better known as musical phrasing via vocabulary choices!

TT 361: Some folks love to chat. They're nervous, they're uncertain of whats going on, they're trying to get to know someone better, so they talk while dancing. To be clear: That is not dancing, that is talking while moving to tango music! Here is a helpful suggestion that will help you for many, many, many years to come, and will help to improve the quality of dance in the room, as well as make all of your dancing partners, and everyone else around you exceptionally happy: SHUT UP! (you saw it comin', right?)

Nachtrag: Hier kann das E-Buch bestellt werden. Hier das PDF. Es gibt wohl auch die Möglichkeit, ein gedrucktes Buch zu bestellen.

Just in case: You can buy the e-pub here. And the PDF here. It seems there also is the possibility to buy a printed copy.

Sonntag, 5. Januar 2014

Alma Mia


ALMA MIA as sung by Roberto Rufino

Ich bin immer wieder erstaunt, dass der Begriff des Tango Argentino weit genug ist, um Raum für einen 3-er Rhythmus, einen Vals zu schaffen. Ich habe mir sagen lassen, dass der Vals ein Import aus Europa ist, der mit der europäischen Blütezeit des Tangos zurück nach Buenos Aires schwappte. Unverkennbar ist zumindest in Deutschland, dass unsere Seelen Walzer-Seelen sind. Wird auf einer Milonga (sorgfältig eingebettet in Tandas mit Tangos und Milongas) eine Vals-Tanda gespielt, spürt man eine deutlich aufgeregtere Stimmung, eben noch schwatzende Tänzer halten fast hektisch nach der geeigneten Partnerin Ausschau und schwupps ist die ganze Tanzfläche voll glücklich strahlender Tanzpaare. Manch verzweifelter Tänzer stromert noch suchend umher, um doch noch eine letzte Tänzerin für den Vals zu finden, unvorstellbar, das wippen in den Beinen sitzend auszuhalten. Wir haben Walzer-Seelen.

I am time and time again surprised to find that Tango Argentino is wide enough to leave room for a 3-4th rhythm, a vals. I have been told that this vals is a re-import from Europe, brought back to Buenos Aires after the european golden Era of the Tango. Quite obviously at least in Germany (I do not yet have Tango-Experience in other countries), we have waltz-souls. Whenever a vals-tanda is played at a milonga (carefully embedded in Tango-tandas), there is an immediate energization of the entire room, an excited spirit. Conversations quit and dancers eagerly search for the ideal vals-partner. In no time at all every one is on their feet dancing. The few left over dancers err around in search of a partner - impossible to stay seated with those excited legs. We have waltz-souls.


Nun ist so ein Tango Vals schon ganz anders als unser europäischer Walzer. Die große Dynamik auf dem ersten Schlag wird gradlinig in Schwung, nicht aber in ein Eintauchen, Schunkeln oder Wippen umgesetzt. Einen Schwung, den man kaum bremsen mag, so ist auch im Gegensatz zum Tango hier wenig Raum für Stops, es ist eher wie ein gleichmäßiges Fließen. Manche Vals sind neckisch und schnell und lassen Raum für Spielereien und Verzierungen, andere sind eher melancholisch oder traurig und haben ein ruhig fließendes Gefühl, wie ein Fluss, von dem man sich mitziehen lassen will. 

But the tango vals does differ quite a bit from the European waltz. The dynamics of the 3/4th rhythm are translated to a linear sweep, not into a diving, turning, swaying movement or "Schunkeln" (there is no such English word, is there?), as common for the waltz. The forward movement, the drive, does not want to be stopped. Therefore, contrary to a tango, there are few stops, more sweeping, flowing motions. Some vals are playful and faster and allow for playful, even flamboyant movements. Others are more melancholic and have a sad, flowing feeling, like a fast flowing river by which you gladly let yourself be swept away.

Einer meiner liebsten Vals derzeit ist ALMA MIA in der Einspielung von Carlos Di Sarli mit dem wundervollen Sänger Roberto Rufino. Hier ist er:


One of my favorite vals at the time is ALMA MIA as recorded by Carlos Di Sarli with the fantastic singer Roberto Rufino. Here it is:



Ich finde bemerkenswert, wie Carlos Di Sarli diese einfache Melodie inszeniert. Eigentlich ist es eine Unterhaltung zwischen Streichern und dem Klavier, die in der Mitte Raum für den Sänger machen, um dann wieder über ihm zusammen zu schwappen. 


I find it quite remarcable how Di Sarli stages this simple melody. In essence, it is a conversation between the strings and the piano, making room for the singer in the middle. 

Nach einer knappen Einleitung beginnen die Geigen mit einer Stufe um Stufe absinkenden Melodie-Linie, rhythmisch so simpel wie es nur geht: mit jedem Takt ein Tonwechsel. Nach 16 Takten wird die Linie wiederholt, findet aber ein anderes Ende. Dies ist der Teil A. Im Teil B gibt es ein kleines Frage-Antwort-Spiel: die Melodie windet sich nach oben, um dann wieder herab zu sinken - wieder 16 Takte, die ähnlich wiederholt werden. Das ist im Prinzip alles. Nachdem Teil A und B einmal instrumental gespielt werden, übernimmt die Stimme von Roberto Rufino die Melodie beider Teile. Zum Schluss wird der Teil A noch einmal instrumental wiederholt. Also:

Intro
Teil A instrumental
Teil B instrumental
Teil A Roberto Rufino
Teil B Roberto Rufino
Teil A instrumental


After a short 9-bar-introduction the violins take up their melancholy melody line, a simple suite of notes descending bar by bar. After 16 bars this melody is repeated but finds a different ending. This is part A. In part B, the melody winds itself upward, building up tension, only to recede again, ebbing away – again 16 bars which are repeated in a similar way. Thats more or less all. Parts A and B are played once, then Roberto Rufino takes over parts A and B, and finally, part A is repeated one last time only by the orchestra.

Intro
Part A instrumental
Part B instrumental
Part A Roberto Rufino
Part B Roberto Rufino
Part A instrumental

Ich bin fasziniert, wie sich Di Sarli am Klavier mit seinem klaren Anschlag immer wieder in die Melodie-Linie hinein windet, sie manchmal fast auflöst. Zunächst sind es nur Übergänge am Ende einer Phrase. Dann wird er immer raumgreifender, verdichtet die Musik manchmal mit begleitenden Melodie-Fragmenten, manchmal mit ausgeprägter Rhythmik. Die Bandoneons haben hier nicht viel zu sagen. Sie untermalen parallel die Melodie-Linie, geben hauptsächlich Klangfarbe. Nur beim letzten Auftritt des Teils A nach dem Sänger übernimmt für 8 Takte das Bandoneon die Melodie - kaum bemerkt schon wieder vorbei. 

I am fascinated by the way Di Sarlys interwines his clear and brilliant piano into the meldoy line, sometimes nearly dissolving it. First, he only builds in transitions at the endings of each phrase. But then he intrudes more and more, sometimes underlining and accentuating the melody, sometimes adding rhythmic patterns, always making the music denser. The bandoneons of the orchestra have a side role here. They accompany the melody line and mainly add a different color to the music. Only once are they allowed to play the melody alone: in the reprise of part A after the singer has finished. 8 bars which are over so fast that you may as well miss them.

Der Teppich unter allem ist der 3er Rhythmus. Die meiste Zeit übernimmt Di Sarli als Klavier-Rhythmusgruppe die (um)Ta-Tas, also die Schläge 2 und 3. Während Rufino singt übernehmen die Geigen diese Rolle. Spannend finde ich, wie in den letzten 16 Takten des Teil B des Sängers die Geigen diese Rolle verlassen und eine viel dichtere Struktur von 8teln spielen, die eine ganz besondere Dynamik erzeugen.

The background for this mise-en-scene is the 3-4th rhythm, nearly entirely produced by Di Sarli with his „piano-rhythm-group“. He accentuates the beats 2 and 3 of this rhythm, the (um)-ta-ta, giving it a constant drive. Only in the parts where Rufino takes over the melody line and the violins otherwise would be unemployed, to they take over the rhythm-machine, the 2s and 3s. Towards the end of Rufinos part B, the violins produce a very dense structure of repeated 8th notes, densing up the structure and creating the climax of the song.

Hört Euch den Vals noch mal an, nur mit Ohren für die süffigen Streicher. Und dann noch einmal ganz Ohr für das brilliante Klavier-Spiel von Di Sarli. Und natürlich noch einmal mit dem Fokus ganz auf die junge Stimme von Rufino gerichtet und den Inhalt der sehnsuchtsvollen Worte von Héctor Marcó:  

Listen to the vals once more, all ears for the sweet and rich sound of the violins. And then one time just listening to the brilliant and sparkeling piano of Di Sarli. Can you hear his personality gleaming through his playing? And then just for the delight of it, listen to it once with ears only for the young and charming voice of Rufino, absorbing the yearning words of Héctor Marcó:  


Alma mía, ¿con quién soñás? / He venido a turbar tu paz. / No me culpes, soy un cantor / que ha querido mezclar a tu sueño / un verso porteño borracho de amor.

Si despiertas, no maldigas / llego aquí porque te adoro, / porque sufro, porque imploro, / 
porque quiero que me digas, / si es verdad que cuando sueñas / me acarician tus amores. / Mariposa, tus colores / me han robado el corazón.



Meine Seele, von wem träumst Du? / Ich bin gekommen, um Deinen Frieden zu stören. / Verurteile mich nicht, ich bin ein Sänger / der sich in Deinen Traum hinein mischen wollte / ein Vers aus Buenos Aires, besoffen von Liebe.

Wenn Du erwachst, fluche nicht / Ich komme hierher, weil ich Dich verehre, / weil ich leide, weil ich Dich anflehe, / weil ich mich danach sehne, dass Du sagst / dass es wahr ist, dass wenn Du träumst / Deine Liebe mich liebkost. / Du Schmetterling, deine Farben / haben mir das Herz gestohlen.


My soul - what are you dreaming of? / I came to disturb your peace. / But don't condemn me, I am a singer / who yearns to weave into your dreams / a verse of Buenos Aires, drunk of love.

When you awake, don't curse me / I am here because I adore you / because I suffer, because I implore you / because I yearn for you to tell me / if it is true that when you are dreaming / your love is caressing me. / Your colors, butterfly, / have stolen my heart.




Freitag, 29. November 2013

How to Know A Good Teacher


Essentials of a Good Teacher


Eine Grundzutat zum erfolgreichen Lernen ist ein guter Lehrer. Im Tango-Universum gibt es erstaunlich viele Lehrer, viele die bereit sind, uns Unkundigen die Kunst zu vermitteln. Aber wer ist ein guter Lehrer? Was macht einen guten Lehrer aus?

One main ingredient for an efficient learning process is a good teacher. There seem to be an uncountable number of teachers orbiting in the Tango-universe, so many who are ready to teach us apprentices the art of dancing Tango. But who qualifies for being a good teacher? What does it need to be a good teacher?

Er soll brennen für das was er vermittelt. 
Ist die Person nicht selbst bis auf die Knochen überzeugt von dem was sie vermittelt, kann sie das auch nicht rüber bringen. Ohne Leidenschaft kaufen wir ihr den ganzen Rest nicht ab. Aus der Schulzeit kennen wir alle das Modell leidenschaftsloser Lehrer, von dem wir, abgesehen von der Fähigkeit, über einen längeren Zeitraum gähnende Langeweile auszuhalten, nichts gelernt haben. Natürlich gibt es auch ganz andere Lehrer. Was hat unsere guten Lehrer in der Schulzeit ausgezeichnet? Ich erinnere mich ganz klar an die, die völlig begeistert von ihrem Thema waren und erinnere mich an den Kick, den mir das gab. Wer schon mal von der Hattie-Studie gehört hat, dem klingeln hier vielleicht die Ohren. Sehr lesenswert!

He shall burn for his subject.
If a teacher is not convinced down to the bones of what he is doing, he will not be able to teach it. Without a passion behind his teaching, we will not convince. Don't we all know the passionfree teacher from our school days? A teacher from whom we learned nothing but for the ability to survive seemingly endless hours of boredom. Obviously, there also where good teachers. What made the difference? I clearly remember those burning for their subject and remember the twitch that gave me. Maybe you have already heard of John Hattie and his Visible Learning. Worth while!

Er soll klar sein.
Wir Lernenden stehen vor einem unermesslich großem Dickicht, durch das wir irgendwie hindurch wollen. Als Begleiter brauchen wir jemanden, dem wir abnehmen, dass er eine innere Karte, einen Masterplan für diesen undurchdringlichen Wald hat. Und sie auch lesen kann.

He shall be clear.
We, the ignorant learners, feel as though we were facing a huge and impenetrable thicket which we want to cross. We need a companion whom we believe to have an inner map for these deep woods, a masterplan. Better even, if he can read the map.

Er soll unbequem sein. 
Das Vertraute ist uns angenehm, weil es uns und unser Weltbild bestätig. Durch regelmäßige Bestätigung festigt sich dieses Weltbild bleibt aber gleich, es verändert sich nicht. Um über unsere engen Grenzen hinaus zu wachsen, brauchen wir Irritationen, die uns Unbekanntes denken und ausprobieren lassen. Wir können das Neue ausprobieren und üben und dann eventuell in unser Weltbild eingemeinden. So wachsen wir. Ich brauche also einen Lehrer, der mich nicht in meinem Sein bestätigt, sondern einer, der immer wieder den Finger auf die wunden Stellen legt und mir hilft, meine Fertigkeit auszubauen. Er muss darauf achten, meinen Selbstbetrug auszuschalten. Es gibt auch den "Wellnesslehrer", der mir ständig bestätigt, dass alles was ich mache gut ist. Das ist nett, um sich wohl zu fühlen und für ein bisschen Seelen-Streicheleinheiten. Aber lernen tue ich hier nichts.

He shall be irritating.
We find those things pleasant which we are familiar with, they confirm our view of the world. Regular confirmation of things we already know makes this view of the world stable and solid. But unchanged. To grow beyond our restricted limits, we need irritation, we need to face the unknown, the unfamiliar, the irritating. We can try it out, repeat it and find out if we can get used to it and then to integrate it into our vision of the world. Thats growing. Therefore I need a teacher who does not confirm what I know of myself already, but who will repeatedly point at the things I have not mastered, which are still unfamiliar and even strange in order to let my skills grow. He will have to bypass our very efficient self-deception-systhem. The contrary position is taken by a "wellness-teacher", who constantly confirms my abilities and is pleased by everything I do. I admit, that can be very nice and soothing. But it will not advance me a millimeter. 

Er soll Vorstellungsgabe besitzen.
Die braucht er aus zwei Gründen - zum Einen, um einen Perspektiv-Wechsel vollziehen zu können und  sich in meine Position zu begeben, die eines Unwissenden oder Unfähigen. Das fällt machen Fortgeschrittenen sehr schwer und lässt sie sofort als Lehrer ausscheiden. Kleiner Test: Erkläre mal einem 5-jährigen Kind, welches das partout nicht versteht, warum 6 + 7 = 13 ist. Dabei sind schon manche Eltern schier wahnsinnig geworden. Und doch ist dieser Perspektivwechsel so grundlegend notwendig, um die nötige Geduld und Ruhe mitzubringen, die jeder Schüler, egal wo er gerade steht, braucht. Der zweite Grund ist der, dass ein Lehrer die Vorstellungsgabe besitzen sollte, durch eine grob geschlagenen Stein hindurch die vollendete Skulptur sehen zu können. Wir brauchen eine Vorstellung, in die wir hinein wachsen können, erst das Bild, welches uns zugetraut wird, können wir erfüllen. Ich habe das gerade bei meinem Sohn erlebt, der von einem permanent zu schlechten Schüler an einem Gymnasium, dem einfach nichts gelingen wollte, durch ein Schulwechsel zu einem zuverlässigen, guten Schüler mutiert ist. Alleine durch die Vorstellung der neuen Lehrerin, die ihn als einen der zuverlässigeren Schüler der neuen Klasse sieht. Unsere Lehrer sehen uns unseren Weg.

He shall be imaginative.
He needs his imagination for two reasons: The first is to be able to change the perspective and take my position, that of an ignorant learner. This is a tough one for many of us and automatically discards us from the lot of teachers. Try explaining to a 5-year-old not able to understand it, why 6 + 7 = 13. Many a parent has gone bananas here. But this change of perspective is essentially important to be able to find the right amount of patience necessary. The second reason is that a teacher should have enough imagination to be able to see the beautiful sculpture through the roughly cut stone in front of him. We need a vision of what we can grow into and are only able to grow if somebody (ourselves included) believes in this image. I just recently experienced this effect with my son, who switched to another school after having spent the last years being one of the worst pupils of his class. He mutated into a reliable good pupil simply through the fact that he now is seen as one of the more reliable students by his new teacher. Our teachers see us though our way.

Vielleicht fällt Euch auf, dass ich ein anscheinend wichtiges Element bei meiner Aufzählung ausgelassen habe: die Meisterschaft der Materie. Wollen wir nicht alle einen Lehrer haben, der unsäglich gut ist in seinem Fach? Nun, ein großes Maß an Meisterschaft hat der Lehrer, auf den die anderen Qualifikationen zutreffen von Natur aus. Und ein virtuoser Pianist ergibt noch lange keinen guten Lehrer. Ich habe diese anscheinend so wichtige Qualifikation mit Absicht weg gelassen. Sie verbaut uns oft den Blick auf die viel wichtigereren anderen Qualitäten eines guten Lehrers. Erwähnt werden sollte auch Geduld - sie steckt im Perspektivwechsel fast mit drin, ist aber eine wichtige Qualität eines Lehrers. Hast Du einen guten Tango-Lehrer (eine gute Tango-Lehrerin)?

You may have realized that I have not talked about mastership. Don't we all want a teacher who is just simply brilliant in his subject? Well, a teacher to which these four points apply will most certainly have acquired a relyable mastership, there is no way around that. And a virtuous pianist, playing concerts on the worlds most famous stages does not naturally qualify as a good teacher. I have left this qualification to the side in order to have a free view on the others, which are too often ignored. I don't want to end this post without naming patience as an important teacher quality. Do you have a good Tango-teacher?


Montag, 25. November 2013

Only Once




A friend of mine has had a fatal diagnose - cancer with no hope of healing. It is a terrible diagnose and I can barely divine what is going on inside him. But then - hold on a moment - don't we all have the same diagnose: certain death? Closer or further away? What makes this death so close so tragic? For one thing, we can not ignore its presence any more as we normally prefer to do. Our time on earth suddenly seems limited, we think about what we would want to do, before we go. We look for the sense of our existence. Should not that be something we all should do, all of us with the same diagnose?

To me it seems majorly important to stop this galloping towards death for shorter or longer moments, to stop time. We are all hasting forward with little sense of where we are going. It is infinitely important to stop. To step out of the time current and to feel and reflect. These moments are like stolen moments. It can happen in an intense conversation with a friend, while playing music, while chopping wood, while having sex, while meditating... every one has his or her special way to stop time. One of the most beautiful ones is to dance Tango. Everyone out there making this enormous effort to learn to dance Tango has had these moments. They keep us at it. They let us fly for a moment. We instinctively feel that something important is happening and we are having a taste of this meaning of life without intellectually grasping it (also see my post "Tango is Flow").

Now, if we suppose that our time here is limited, maybe to only a few days, months, years, how do we intend to fill this time? How will it make a difference to live a month longer? What do we choose to do? And how do we choose to do it? I would want to have a real, serious honesty towards myself. Do things right, all the way, with all my heart, never half-heartedly. Ask questions. Allow myself to make mistakes, grow. Be courageous. Make time stop again and again. We do not have the time to do things superficially. It is a terrible waste. This is the way I want to learn Tango. Or I might as well stop right here. I don't want to learn beautiful steps, I want to understand them. I don't want to look pretty in my shoes and my dress, I want to feel it from the inside. I want to stop time for a short moment, a dance, maybe a tanda, together with the person I am daring this adventure with.

And yes, this is a post about Tango.

Montag, 4. November 2013

Eine Überdosis Energie - Overdose of Energy

Dancing with an overdose of energy can be very troublesome!

Wir sind nicht jeden Tag gleich, ein Stück weit erfinden wir uns täglich neu. Kürzlich hatte ich mich wohl mit einer Überdosis Energie erfunden, eine Ruhelosigkeit in meinem Innern, viel Übermut mit dabei, das Gefühl, dass mein Körper zu eng und begrenzend ist für alles, was im Innern Raum haben will. Mit diesem "ich" ging ich auf eine Milonga, völlig im Unklaren darüber, was das mit mir und meinen Tanzpartnern machen würde. Das zu viel an Energie schien mich beim Tanzen immer aus den Kurven zu fegen, meine Tanzpartner hatten große Mühe, mich im Griff zu behalten, kleine Impulse nahm ich wie durch ein Vergrößerungsglas wahr und reagierte entsprechend. Meine Tanzpartner hatten es nicht leicht. Wenn ich es mir recht überlege, waren es vor allem die kleineren Herren, die es schwer hatten. Ich bin eine groß gewachsene Frau, aber keine Riesin. Bei dieser Milonga hatte ich die Freude, mit mehreren deutlich kleineren Tanzpartnern zu tanzen und besonders die schien ich völlig aus der Bahn zu werfen. Zum Einen konnten sie schlechter an mir vorbei spähen, um den weiteren Weg zu planen. Zum Anderen fehlte mir irgendwie die Führung durch den Oberkörper- und Kopfkontakt und die aufrechte Haltung. Ich hätte wohl eher mit einer etwas offenereren Umarmung tanzen sollen, fand aber nicht die richtige Entfernung. Dazu nicht genug Balance, nicht genug Erdung... Jedenfalls hatten es diese Herren nicht leicht. Einer merkte scherzend an, er müsse wohl noch mal ins Fitness-Studio, um mit mir zurecht zu kommen. Ich fühlte mich ein wenig wie ein trudelnder Kreisel, das Bild "Bulldozer" versuche ich mal nicht in meinem Innern zuzulassen. Ayayay, Catwoman! Zurück in die Box und weiter an der Balance und der Erdung arbeiten! Und vielleicht das nächste Mal das zu viel an Energie vorm Tanzen raus bringen.

We are not the same person every day. In a way, we reinvent ourselves every day anew. Recently, I invented myself with an overdose of energy, there was a certain restlessness inside, a touch of mischief and a sense of my body being too small, too limiting for all it contains. With this setting I went to a milonga, not knowing what this would do to my dancing and to my dance partners. My energy seemed to sweep me off my axis and out of the curves, my dance partners were quite busy keeping me on line. I perceived every small impulse as through a magnifying glass and reacted accordingly. Now that I think of it - my smaller dance partners were most troubled. I am a tall woman, but not a giantess. During this milonga I had the opportunity to dance with several smaller men and it were these men I gave the most trouble. Already, they had difficulty spying past me to see where to go. But then I was not upright enough, bending down a bit and missed the lead through the chest and touch of the head. I probably should have tried to find a comfortable open embrace but somehow did not find the right distance. Plus not enough balance, plus not enough grounding... My partners had a hard time. One jokingly commented that he would have to go do some fitness training to be able to cope with me. Ay ay ay, Catwoman! Return home and work on your balance! And next time maybe bring out your surplus energy before you go dancing.

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Sing it!

Sing it! Interpreting Tango Music Instinctively 


Die Musik ist der Puls, das Herz des Tangos. Das hohe Ziel, sie im Tanz, in den Bewegungen, in der Umarmung auszudrücken. Aber wie macht man das? Wie tanzt man die Musik eines Tangos? Bisher habe ich immer eine große Diskrepanz zwischen meinem Empfinden der Musik und meinen tänzerischen Fähigkeiten, sie auszudrücken gefühlt. Hier und dort leuchtet mal eine Ahnung davon auf, wie es sein könnte. Dazu muss ich entspannt sein, sicher in meiner Bewegung und einen Tanzpartner haben, mit dem ein Diskurs entsteht. Eigentlich ist es nach einem guten Jahr Tango-Unterricht auch noch zu viel verlangt, schon so weit über den Dingen zu stehen, um Rechnerkapazitäten frei zu haben für den Ausdruck der Musik. Also konzentriere ich mich weiter aufs Tango hören und Tango tanzen üben.

Music is the pulse, the heart of Tango. The aim is to express it in ones dance, in the movements, in the embrace. But - how am I supposed to do that? How do you dance the music of a Tango? I still percieve a big divide between my musical feeling of a Tango and my abilities to express this in my dance. Once in a while I catch a glance of what it could feel like, but only if I am relaxed, secure in my movements, in my axis and if a communication develops between me and my leader. Well, after a little more than a year of Tango lessons, it would be a bit too much to expect to be so far above all bodily struggles to have enough capacities free for musical expression in my dance. So for the moment I stick to listening to Tangos and learning to dance.

Ich habe allerdings schon festgestellt, dass viele Tänzer, auch weit fortgeschrittene, sozusagen neben der Musik tanzen. Die Musik markiert für sie nur den Anfang und das Ende eines Tanzes und natürlich seinen Rhythmus und Tempo. Es ist auch wirklich nicht einfach, neben dem Achten auf sich selber, auf den Tanzpartner und auf die anderen Tänzer in der Ronda auch noch Antennen frei für den Ausdruck der Musik zu haben. Und doch ist es das hohe Ziel, denn nur dann macht es für mich persönlich "Sinn", nur dann kann man nur so richtig fliegen...

I have noted that quite a few dancers, even advanced ones, seem to dance "next to" the music, not within it. The music seems to mark only the beginning and the end of a dance and its pace and rhythm. It certainly isn't a simple deed to pay attention to oneself, the dance partner and the other dancers of the ronda and still have some capacities free to listen to and express the music. Still, it is the big aim, only with an expression of the music does Tango dancing make a "sense", only then can you really fly...

Viele neue Impuls habe ich bei dem Wochenendseminar von Monika Diaz und Christian Tobler aufgesogen. Hier wurden viele Filme gezeigt von Tanz-Profis und ihren tänzerischen Interpretationen. Die Möglichkeiten einen Tango zu interpretieren sind erstaunlich weit. Sie reichen vom Tanzen einzelner Melodie-Elemente des Tangos, sozusagen als Begleitung eines Instruments (rhythmisch sehr nah am Tango), über das Tanzen einer eigenen, neuen "Stimme" zur gespielten Musik (manches mal nah an der Musik manches Mal eine rhythmische Ergänzung) bis zum getanzten Ausdruck der Stimmung eines Tangos, die dann rhythmisch erstaunlich frei sein kann und nur die Intensität und Stimmung einzufangen versucht.

I have collected many new impulses to the musicality in Tango dancing during the weekend seminar with Monika Diaz and Christian Tobler. They showed quite a few films with professional Tango dancers and gave assistance to understand how they are translating the music into movement. I have never tried to analyse this as intensely and was astonished at the variety of possibilities. The first approach is to try to dance the melodies of the Tango, accompanying a certain instrument, a melody phrase or a rhythmic pattern. This stays rhythmically very close to the music. The second approach is to add a new melody line to the music, as a supplement or enhancement. This can be very close to the music or further away, the dancer becoming a new music instrument within the Tango. The third approach is to try to express solely the mood or atmosphere of a Tango. This can be rhythmically very free, the aim is translating the intensity or mood. So we have accompaniment, supplement, translation.

Wie findet man den Zugang zu einem Tango? Wie bringt man seinen Körper dazu, die Musik auszudrücken? Natürlich zunächst durch die Beherrschung des Tanz-Vokabulars, einer sicheren Achse und Erdung. Aber wie komme ich an den musikalischen Ausdruck? Einen der einfachsten Wege kenne ich aus dem eigenen Musizieren. Weiß ich nicht, wie ich eine Phrase spielen soll, singe ich sie. Das was ich singen kann, kann ich auch mit meinem Instrument ausdrücken. Denn unsere Stimme führt uns ganz natürlich und intuitiv. Sie hat einen direkten Zugang zu unserem musikalischen und emotionalen Wissensschatz. Meine Tango-Lehrer praktizieren das ganz intuitiv und entspannt. Beide summen und trällern beim Tanzen immer wieder mal eine besondere Passage mit, lassen ihre Stimme sich selber und ihre Schüler führen, markieren einen Schwerpunkt, einen Impuls, einen Höhepunkt oder einen Bandoneon-Lauf. Das ist angewandte Musikalität ohne jede Theorie. Manchen ist das sicher peinlich und es würde auch zugegebenermaßen ziemlich stören, wenn bei einer Milonga alle mitsingen würden (alleine die Vorstellung...!). Aber beim Üben, im Unterricht oder einfach nur beim Hören eines Tangos kann ich jedem nur empfehlen, ungeniert mit zu singen und zu summen. Probiert es aus - es wirkt Wunder!

So now, how do I find my way into expressing a tango? Naturally, I first of all have to master the Tango-vocabulary to a certain extent, I have to be secure in my own axis and well grounded. But how do I then find the key to musicality? There is a very simple way to this musical key I know from my experience of learning a musical instrument. If I do not know how to play a certain phrase, I sing it. If I cannot sing it, I can't play it. Our voice is a natural and very intuitive guide. She has immediate access to the musical knowledge of our body and soul. My Tango teachers do this intuitively and in a very charming way. They both from time to time hum or sing while dancing to show a certain melody line, enjoying a phrase, a rhythm. They let their voices guide themselves and us pupils, accentuating a culmination, an impulse, a bandoneon phrase... This is applied musicality without any theory. For some, it would probably be embarrassing to do it themselves and I admit, it would be slightly disturbing if everyone were humming away the music during a milonga. But while practicing, during lessons or simply while listening to Tango music, I can only recommend to sing and hum along. Try it!



Dienstag, 15. Oktober 2013

Eintauchen in das Tango-Meer


Ein paar Skizzen aus meinem Notizbuch

Am letzten Wochenende habe ich zwei Menschen erlebt, deren Herzen für den Tango Argentino praktisch glühen. Das spürt man vom ersten Moment an. Und sie haben eine Botschaft, die sie bedacht und sorgsam, aber ohne jede Zweideutigkeit kommunizieren. Beides ist eine Wohltat: Ihr Feuer zu spüren, sich anstecken zu lassen und auch ihre klare Position zu hören und auf sich wirken zu lassen. Diese Position ist keine kommerzielle, sie ecken sicher an, so wie sie es auch am Wochenende vereinzelt taten, aber es ist eine mutige, die wohltuend klar ist und nur dadurch Dinge anstossen kann. Was war das nun für ein Feuer? Ein zweitätiges Seminar von Monika Diaz und Christian Tobler aus der fernen Schweiz hier bei uns im hanseatischen Norden. An dieser Stelle einen Dank an den Tango-Bekannten, der mich mit der Nase auf dieses Wochenende stieß und an die Tanzschule, die mutig genug war, dieses Seminar zu veranstalten.

Vielleicht ist es vergleichbar mit dem Blick auf das azurblaue Mittelmeer. Der Blick ist schön, weckt Sehnsüchte nach Urlaub, Freiheit, Weite. So war mein Blick auf den Tango bisher. Wer aber schon mal die spiegelnde Oberfläche des Meeres durchbrochen hat und schnorchelnd oder tauchend unter sie geschaut hat, kennt das Gefühl des unendlichen Staunens ob dieser bisher ungesehen fantastischen Welt, die den überaus lebendigen Unterbau für die blau schimmernde Oberfläche bildet. Man könnte diskutieren, was für einen das Meer ist - die Oberfläche oder das riesige Universum darunter. Oder beides? Das Universum unter der Oberfläche des Tangos habe ich durch Monika und Christian kennen gelernt und werde sicher immer wieder hinein tauchen. Denn es hat mein Verständnis und mein Empfinden des Tangos deutlich verändert.

In einem beachtlichen jedoch nie langweiligen Marathon haben beide Dozenten einen liebevollen und klaren Überblick über die wichtigsten Orchester der Epoca de Oro des Tangos in Buenos Aires vermittelt, mitsamt Anekdoten, Klang- und Tanzbeispielen. Wer wollte, konnte jeweils sofort die gespielte Musik in Tanzschritte umsetzen. Ich habe es vorgezogen, zuzuhören, vielleicht auch weil ich keinen Tanzpartner dabei hatte und weil ich mich nach einem Jahr Tango-Unterricht noch nicht in der Lage fühle, mein Empfinden umzusetzen. Aber auch nur zuhöhrend und in sich hinein spürend entstand ein immer bunteres und vielfältigeres Bild dieser Musik.

Unter diese mangels Zeit knapp gehaltenen Orchester Portraits (man merkte es den Dozenten an, dass sie über jedes Orchester am liebsten einen ganzen Tag erzählt hätten) wurden zwei andere Einheiten gemischt: eine mit Hintergrundinformationen zu den spielerischen und technischen Voraussetzungen der heute kursierenden Aufnahmen und eine mit einer praktischen Anleitung zur Umsetzung von musikalischen Phrasen. Die technischen Voraussetzungen waren vielleicht etwas trockener, aber nicht weniger spannend. So genau hatte ich mir noch keine Gedanken gemacht über die Bedingungen unter denen die Aufnahmen entstanden und meine Bewunderung wuchs von Minute zu Minute. Abgeschlossen wurde dieser Abschnitt mit einem flammenden Plädoyer für mehr Sensibilität und bessere Wiedergabemöglichkeiten dieser schönen Musik auf Milongas. Ich gehe hier mit ganzem Herzen mit. So manches mal fühle ich fast körperliches Unbehagen, wenn mir die Musik während einer Milonga in den Ohren klirrt oder die Bässe schwammig verdumpfen. Ich bin überzeugt, dass klangliche Veränderungen das Tanzvergnügen deutlich steigern würden. Hierzu gibt es ausführliche Beiträge und Diskussionen unter Cassiels Blog. Beeindruckend war schon allein die kleine improvisierte Reise-Anlage der Dozenten, die mitten in den Raum positioniert wurde und eine wunderbare Klangqualität bot (natürlich Hand in Hand mit optimalen Audio-Daten und einer optimalen Ausgabe).

Beeindruckt hat wohl auch fast alle Teilnehmer eine Gegenüberstellung von Aufnahmen identischer Stück mit einem modernen Ensemble und einer Original-Aufnahme aus der Epoca de Oro. Wir waren aufgefordert auszuprobieren, ob es sich zu dieser oder jener besser tanzen ließe. Das Resultat war frappierend: Alle moderneren Aufnahmen ließen sich deutlich schlechter tanzen. Die Gründe hierfür sich vielfältig, das Resultat aber eindeutig. Die damaligen Musiker wurden daran gemessen, ob ihre Musik tanzbar war. Es war eine sprudelnde, kochende Zeit mit viel Konkurrenz. Wer nicht tanzbar war, wurde nicht gebucht oder gekauft. So waren die Musiker ständig auf der Suche nach dem besseren Ton, dem besseren Groove, dem besonderen Sound. Das alles mit einer Intensität, die heute kaum mehr herzustellen ist. Die Suche nach Perfektion hat Höchstleistungen hervor gebracht. Ein weiterer nicht unerheblicher Aspekt ist die Größe der damaligen und heutigen Ensembles. Heute ist man schon froh, wenn man ein Quartett mit einem Bandoneon buchen kann. Aber was für ein Unterschied zu 4 oder mehr Bandoneons, die zum absolut gleichen Moment ihre Akzente setzen! Und zu 4 Violinen, die auf einer Melodielinie schwelgen...! Wir verstärken heute den Klang um einen größeren Raum zu füllen, da haben wir andere Möglichkeiten und wer würde schon so ein großes Ensemble bezahlen können? Aber kann dieser verstärkte Klang die gleiche Intensität rüber bringen? Mir fiel auch auf, dass den neueren Aufnahmen irgendwie der Drive fehlte. Herausstechende Ausnahme ist das "Solo Tango Orchestra" (kann man 4 Personen schon ein "Orchestra" nennen?), welches sehr viel Drive hat. Leider nur 4 Musiker. Was würde ich dafür geben, so ein großes Tango-Orchestra dieser goldenen Epoche live zu hören! Ist es nicht erstaunlich, dass keiner das bis dato als Marketing-Lücke entdeckt hat? Gibt es keine Sponsoren da draußen, die gerne Tango tanzen und so etwas finanzieren würden? Freiwillige vor!

Die zweite extra-Einheit neben den Orchestra-Portraits fand am zweiten Tag statt: Eine praktische Anleitung zum Umsetzen von musikalischen Phrasen. Ebenfalls sehr beeindruckend, weil sich hier endlich tatsächlich etwas an unserem Tanz veränderte. Nachdem ein ausgewählter Tango ("Araca la Cana" von Fresedo) ganz stressfrei analysiert und in Abschnitte aufgeteilt wurde, hatten wir mindestens 8 Runden, um diesen Tango zu tanzen. Monika steuerte das Ganze, ließ uns zunächst nur grob zwei verschiedenen Stimmungen, passend zu den Abschnitten, tanzen und an den Übergängen anhalten. Das war bei diesem Tango ein markanterer Abschnitt und ein fließenderer. Als wir das einigermaßen gepackt hatten und uns schon für Helden hielten, setzte sie noch einen oben drauf, indem sie unsere Aufmerksamkeit auf die gesamte Ronda lenkte, so dass wir gemeinsam in den markanteren Abschnitten eher auf der Stelle und mit vielen kleineren Schritten tanzten und gemeinsam im elegischen Teil uns vorwärts bewegten. Was für ein irres Gefühl als das klappte! Ich, verbunden mit der Musik, mit meinem Tanzpartner, mit den anderen Tänzern der Ronda... mit dem Universum?! (siehe mein Post "In Balance with me an the Universe). Vielen Dank an meinen offenen, experimentierfreudigen Tanzpartner!

Ein wichtiger Bestandteil dieses Wochenendes war auch die Milonga am Samstag Abend. Die Tanzschule war mutig genug, diese Milonga als "Milonga Milonguero" auszuweisen, also als eine Milonga mit rein klassischer Musik der Epoca de Oro, mit engem und eher kleinem Tanzen (keine fliegenden Beine), mit Aufforderung durch Cabeceo und zu diesem Zwecke auch relativ hellem wenn auch nicht ungemütlichem Licht, mit Respekt für die Ronda, also einer gemeinsamen Tanzlinie, und dadurch mit Respekt für alle anderen Tänzer des Abends. Christian Tobler hat fantastisch Musik aufgelegt und die Stücke jeder Tanda auf eine Leinwand projiziert, so dass man schon vor den ersten Takten der neuen Tanda die Blicke über die leere (Cortina sei dank) Tanzfläche zu dem favorisierten Tänzer für diese Tanda schicken konnte. Ich glaube, alle am Tage besprochenen Tangos waren dabei, man konnte sie wieder erkennen und dank Projektion zuordnen. Das klappte alles wie am Schnürchen mit nur kleinen Ausreißern. Aber auch die sind verständlich, muss so eine Milonga-Kultur ja erst wachsen und reifen. Wie schön wäre es, wenn es regelmäßig solche Milongas gäbe!

Mein persönlicher Höhepunkt war eine Pugliese-Tanda. Ich liebe die Musik von Pugliese sehr, sie findet einen ganz besonderen Wiederklang in mir, lässt mein Herz höher schlagen. Aber ich habe ebenso einen heiden Respekt davor, sie zu tanzen, habe es auch noch nie gewagt. Schon bevor die Tanda begann und ich den Namen Pugliese auf der Leinwand las rutschte ich also in meinem Stuhl gemütlich zurück, um genussvoll zuhören zu können. Da wurde ich aufgefordert, dieses Mal direkt, denn mein Blick war überhaupt nicht auf Kontakt aus. Ich zögerte ein wenig, freute mich aber so auf den Tänzer, den ich schon den ganzen Abend beobachtet hatte, dass ich einwilligte. Und was passierte? Ich stolperte nicht, ganz im Gegenteil, wir haben wirklich diese zauberhafte Musik getanzt so wie ich sie empfinde, und das trotz meiner begrenzten Möglichkeiten. Einen riesigen Dank an meinen Tanzpartner, der mich so auf Wolke 7 hat schwelgen lassen!

Diese Milonga hat das ganze Wochenende abgerundet, so dass ich am späten Sonntag Nachmittag ungemein bereichert wieder nach Hause fuhr. Wir waren in das tiefe facettenreiche Meer des Tangos eingetaucht und werden diese Eindrücke bestimmt nicht wieder vergessen. Einen Dank von ganzem Herzen an Monika Diaz und Christian Tobler.