Is tango easy or terribly hard? A graphic artist goes on an adventurous trip into the world of
the tango - discovering, laughing, struggling,despairing, learning. Can I tango? Maybe!

Mittwoch, 17. April 2013

In Balance with me and the Universe




Das Thema Balance ist ein großes im Tango. Und das gefällt mir ausgesprochen gut! Ich beschäftige mich seitdem ich Tango tanzen lerne sehr intensiv mit meiner eigenen Balance – meiner körperlichen Balance, Mittelachse, Schwerpunkt. Das führt dazu, dass ich sicherer und in mir ruhend stehe. Nicht angespannt, aber auch nicht energielos. Und das hat Wirkungen auf meine Selbstwahrnehmung und damit auf meine innere Ballance. Bin ich innerlich aufgewühlt oder unruhig, ist diese körperliche Balance viel schwieriger herzustellen. Gleichzeitig bringt die Beschäftigung mit der körperlichen Balance auch Ruhe in mein inneres Gleichgewicht.

Balance is a big issue in Tango. An I very much like that! Since I have started learning to dance Tango, I have worked on my own balance, my bodily balance, axis, center. This makes me stand better, more centered. Not under tension but at the same time not without energy. And it has consequences on the sense of myself and thereby also on my inner ballance. It is not easy to establish this body balance when my mind is agitated and disturbed. All the same, trying to focus my body balance brings calmness into my inner balance.

Auf einer zweiten Ebene geht es um die Balance zwischen zwei tanzenden Partnern. Jeder ist verantwortlich für die eigene Balance und gleichzeitig dafür, das Gleichgewicht des Partners nicht zu stören, im Idealfall zu ergänzen. Im schlechtesten Fall bringt die eigene Wackeligkeit das Gleichgewicht des Anderen ins Wanken. Was für ein schönes Bild für eine lebendige Beziehungs-Partnerschaft! Ich glaube, dass es vielen Beziehungen gut tun würde, wenn beide Partner sich mehr um die eigene Balance kümmern, weniger am Partner ziehen und rütteln würden. Wie schön kann dann eine Begegnung sein, in der genug Raum für Respekt für sich selber und den Anderen da ist, wie viel höher kann man fliegen... So wie im Tango, wenn diese Balance und der Respekt vor dem anderen gewahrt wird. Einer Frau, die sich beim Tango Tanzen verbiegen muss, geht die eigene Balance flöten. "Sich nicht verbiegen lassen" bekommt für mich hier eine neue Bedeutung.

On a second level, there is the balance between the two dance partners. Each one is responsible for his and her own balance and at the same time for not disturbing the equilibration of the other, ideally to complement it. The worst case is my own unsteadiness bringing my partner to sway. What a perfect image for a lively and fulfilling relationship! It would be a good impulse for many a relationship, if each partner were to take care of his own balance and would less tug at and rock the other. How thrilling could an encounter be if there is enough room and respect for oneself and the other, how much higher could one fly... as one can in Tango, if this balance and respect for oneself and the other is attended to. 

Auf der dritten Ebene geht es um die Balance zwischen den verschiedenen benachbarten Tanzpaaren auf einer Milonga. Ein Tanzpaar braucht einen gewissen Raum, ebenso braucht es das benachbarte Paar und das daneben. Das kann mal mehr und mal weniger sein. Viel Achtsamkeit ist nötig, um nicht die Balance des eigenen Paares und das der umgebenden Paare durcheinander zu bringen. Jedes tanzende Paar passt sich so an die Umgebung an und respektiert die Balance des benachbarten Paares.

On an third level, there is the balance between the neighboring dancing couples on a milonga. Each couple needs a certain amount of space, more or less depending on the situation. Quite some attentiveness is necessary as not to disturb the balance of ones own couple and that of all the neighboring couples. Each dancing couple therefore has to assimilate to the surrounding and to respect the balance of the other neighboring dancers.

Auf der vierten Ebene geht es um die Balance einer Milonga, aller Menschen, die gleichzeitig dort tanzen. Ist die Milonga voll, wird es weniger Raum für große Figuren und Beinbewegungen geben und es wird kleiner und feiner getanzt. Man kann dieses Bild weiter führen auf die Milongas einer Tangoszene, dann auf die Tangoszenen Landes und dann die globale Balance aller Tango tanzenden Menschen (okay, das Universum lass ich mal aus - tanzt E.T. auch Tango?).

On a fourth level then, there is the balance of an entire Milonga, all the people dancing there at the same time. Is the milonga crowded, there is less space for audacious figures and leg movement and people dance with smaller movements. One could continue this image to all the Milongas of a Tango scene, of all the Tango scenes of a country and to the global balance of all Tango dancing people on this earth (okay, I will skip the universe - does E.T. dance Tango?) 

Es entsteht ein Netzwerk an Respekt und Achtsamkeit, das sehr wohltuend ist. Eigentlich sollte so ein Netzwerk jedem sozialen System inne wohnen. Wahrscheinlich hat es das auch irgendwann mal. Aber wir haben viel dieser Selbstverständlichkeit verlernt. Am gravierendsten die Achtsamkeit für uns selber. Und das ist die Krux und gleichzeitig die Chance: nur wenn ich selber auf meine eigene Balance acht gebe, kann ich etwas beitragen in diesem System, dem Kleinen wie dem Großen. Vielleicht ist das einer der Gründe, warum Tango eine so magische Anziehungskraft besitzt?

A network of respect and attentiveness could grow, and that is very a comforting thought. Such a network should very naturally exist in every social system. It probably did at some time. But we have lost a lot of its natural ease. Above all we miss out on the attentiveness to ourselves. Only if I pay attention to myself, to my own balance, can I contribute my part to the system, be it the smaller or the larger one. Maybe this is one of the reasons for great appeal Tango develops in our days?





Mittwoch, 10. April 2013

As Contrary as Night and Day




Warum tue ich mich so schwer mit den Milongas? Ich mag die Musik, ihre Energie, aber ich habe immer das Gefühl, dass ich einfach zu langsam mit meinen Reaktionen bin. Irgendwie stolpere ich eher hinterher, werde vom Tempo überrollt. Ich will dem auf den Grund gehen und habe von meinem Tanzlehrer eine Antwort bekommen, die wie immer klar und einfach ist. Zumindest ausgesprochen. In der Anwendung allerdings... Aber dazu später.

Why do I have so much trouble with dancing a milonga? I love the music, its energy, but I somehow have the impression of simply being to slow in my reactions. I seem to stumble just behind the impulse, am over rolled by the tempo. I had to find out why this is so troublesome for me and asked my teacher. He gave me an answer as clear and simple as usual. But I'll come to that later.

Welche Rolle spielt die Milonga gegenüber dem Tango? Sie scheinen völlig konträr zu sein. Ist der Tango eine lineare Bewegung mit einem klaren, fast marsch-artigen Beat, der völlig ohne Percussion auskommt, so sprüht die Milonga vor Dynamik und Energie, fast rastlos drängt sie voran, der Beat ist ein bebender 2er (gegenüber dem 4er des Tangos) und lebt von Backbeat Betonungen, unterstrichen von orchestrierten Trommelrhythmen oder manchmal gar von echten Trommeln. Das lässt sie fast ein wenig "galoppeln" und verleitet Zuhörer und Tänzer zum Zucken der Schultern und Wippen der Füße. Während der Tango die Pause kultiviert, lässt die Milonga keinen Beat aus - jeder wird getanzt. Ich habe nachgelesen, dass die Milonga zunächst aus einem Verschmelzen verschiedener afrikanischer Rhythmen entstand und aus ihr wieder herum der Tango. Eine Sonderform ist dabei die Milonga Candombe, in der die afrikanischen Trommelrhythmen noch tatsächlich gegenwärtig sind. Ist der Tango also eine Art domestizierte Milonga? Sie scheinen konträr wie Nacht und Tag zu sein und ergeben vielleicht genau wie Nacht und Tag ein Ganzes. Der schäumende Übermut der Milongas ergänzt den ruhigen, langen Atem des Tangos...

What is the role of Milongas as opposed to Tangos? They seem to be so contrary! While Tango is a linear movememt with a clear, marching beat, entirely without percussion, the Milonga sparcles with energy and dynamics. Breathlessly she pushes forward. Her fast beat counts 2 (as opposed to the 4 beats of the tango) and is spiced by backbeat accents and sometimes even percussion elements. This creates a galopping feeling and seduces listeners and dancers to move the shoulders and tap their feet. While Tango cultivates the pause, the Milonga does not skip a beat - every single one is danced. I have looked up the history of the Milonga and have learned, that it evolved by mingling different african rhythms. In the Milonga Candombe these african rythems are still present. And out of the Milonga evolved Tango. So is Tango a domesticated wild Milonga? They seem as contrary as night an day. And maybe similar to night and day only together do they create a unity? The burstling spirit of the Milonga complements the calmer pulse of the Tango?

Was meint nun mein Tanoglehrer zu meinem Stolpern? Zunächst müssen natürlich die Bewegungen kleiner sein als beim Tango. Logisch. Und - hier ist der Haken - meine Beine müssen NOCH lockerer sein, weniger Kopf, mehr Schwere und Bauch und fließen lassen. Desto schneller der Rhythmus, desto lockerer die Beine. Leuchtet ein. Fragt sich nur, wie ich das umsetze. Derzeit brauche ich immer noch zu viele Windungen, bevor ein Impuls bei meinen Füßen ankommt. Ein weiterer Tipp, der mir einleuchtet: Auch wenn der Groove der Milonga unendlich zum Wippen und Schultern zucken verleitet, bleibe in Deiner Grundspannung, die Führung muss hier noch enger sein und das Zucken lässt die Impulse verpuffen oder zu spät ankommen, die Energie wird abgeleitet. Also entspannen und einfach einen Schritt nach dem anderen setzen. Und die beim Tango kultivierte Grundenergie halten. Nicht mehr.

So now, what are my teachers thoughts about my stumbling Milonga steps? First of all, obviously all movements have to be much smaller when dancing a fast Milonga. And secondly, my legs have to be EVEN MORE relaxed and heavy. Less head, more flow. The faster the rhythm, the more relaxed my legs must be. Simple as that. But alas... how am I to achieve this? And one more tip which makes sense to me: even if the music tempts to move shoulders and bounce, don't do it, don't give up your tenure. Leading has to be closer with fast tempi and impulses from my side make it much more difficult to give on the leading impulses, they evaporate or reach me too late. Okay. Relax, let the energy flow and set one step after the other. Just keep up the normal tension needed for Tango. Not more. 

Wäre die Musik der Milongas doch nicht so verführerisch! Nun muss ich doch irgendwie heraus finden, wie ich meine Beine locker genug bekomme... Ich habe einige Lieblings-Milongas und auch wenn mir klar ist, dass diese Milonga Brava ziemlich bekannt ist, füge ich sie diesem Post bei. Sie ist einfach zu schön!

If only Milonga music wasn't so alluring... there is no way around even more relaxed legs! I have many favorite Milongas. I am aware that this is a quite famous one, still its beautiful!



Sonntag, 7. April 2013

Die Frau zum Leuchten bringen - Milonga-Erlebnisse

Es war Samstag. Keine Kinder, keine Verantwortung, so konnte ich mich entspannt und gut gelaunt auf eine Hamburger Milonga begeben. Diese verflixte preussische Pünktlichkeit! Ich stand doch tatsächlich um 21 Uhr auf der Matte, um einen überraschten Veranstalter vorzufinden, der mir dann aber doch mein Eintrittsgeld abnahm. Erste Lektion: stelle Deine innere Uhr neu und komme immer mindestens 1/2 bis 1 Stunde zu spät zu einer Milonga. Schon eine Herausforderung für ein preussisch erzogenes Mädchen.

Nach einer halben Stunde begann sich die Milonga langsam zu füllen. Zu meiner Freude tauchten auch meine Tanzlehrer auf - zumindest eine schöne Tanda mit meinem Tangolehrer war also gesichert. Die Musik war wunderbar, eigentlich perfekt, wären da nicht die etwas überforderten Lautsprecher, die in den Höhen zu klirren begannen und auch im Bassbereich ausbrachen. Das war grade zu Anfang für meine Musikerohren ein wenig anstrengend. Mit der Zeit gewöhnten sich meine Ohren aber daran oder mein Hirn legte den Fokus auf andere Bereiche.

Die Tanda mit meinem Tanzlehrer lief besser als das letzte Mal, hatte ich mich nun schon ein wenig an die enge Umarmung gewöhnt. Im Unterricht tanzen wir immer in der offenen Umarmung. So kann ich mehr bei mir bleiben, meine Ballance finden, die Bewegungen sauber ausführen. Aber eine offene und eine enge Umarmung fühlen sich anders an, die Körperballance muss ich erst anpassen und das braucht halt ein wenig. Drei weitere Tandas durfte ich tanzen, mit sehr unterschiedlichen Tänzern. Eine Frau führte mich sehr angenehm und ließ mir Raum, mich zu fühlen, mit ihr hätte ich gerne noch weitere Tandas getanzt. Ein etwas großer Herr forderte mich ausgerechnet zu einer Milonga auf - die habe ich noch viel zu wenig getanzt und fühle mich vom Tempo noch überfordert. Aber beglückt, wieder tanzen zu können, lehnte ich nicht ab. Er hatte ja schon gesehen, dass ich Anfängerin bin und führte mich wohl demzufolge so eng und mit festem Griff im Rücken, dass ich kaum mehr richtig selber stehen konnte. Wie soll man da eine Ballance halten oder gar Schritte setzen? Die Folge waren polierte Schuhspitzen bei mir. Wie gut, dass ich keine offenen Schuhe trug! An den Milongas muss ich dringend noch arbeiten. Lektion zwei: höflich um etwas mehr Raum bitten, wenn ich nicht mehr sicher stehe. Dennoch hatte ich bei der Tanda viel Spaß, denn Milongas gefallen mir gar sehr. 

Gegen 1 Uhr bin ich nach Hause gefahren und war zum Einen ganz zufrieden mit dem Resultat (immerhin 4 Tandas, eine davon mit dem besten Tänzer im Saal, meinem Tanzlehrer), zum anderen entmutigt bei dem langen Weg der mir noch bevor steht, bevor ich mich sicher auf einer Milonga bewegen kann, so dass ich mich wohl fühle. 

Generell schwirren seit dem Abend ein paar Fragen und Gedanken in meinem Kopf herum: 

Ich konnte sehr viele sehr verschieden Führungsstile beobachten. Bei einigen war ich froh, nicht in Versuchung zu kommen, mit den Tänzern zu tanzen, denn ich konnte ihnen schon beim Zuschauen nicht richtig folgen. Und wie schafft man es als Frau (und vice versa als Mann), sich in rasendem Tempo auf den Führungsstil, also den Charakter des Tanzpartners einzustellen? Okay, man beobachtet vorher ein wenig. Aber wie es sich anfühlt ist dann ja noch mal ein ganz anderes Paar Schuhe. Ich würde mir besonders als Anfängerin wünschen, etwas Zeit zu bekommen, bei ganz einfachen Schritten, beim Gehen, mich auf den Tänzer, die Haltung, die Nähe einzufühlen, bevor es ans Eingemachte geht. Das würde meinen eigenen Genuss deutlich erhöhen. Und damit doch sicher auch den des Partners, oder?

Zum Anderen beschäftigt mich die Diskrepanz zwischen meinem innen Gefühl für Tango, welches auf sehr feiner Abstimmung beruht, viel mit Erdung und manchmal sogar mit Flow zu tun hat, und dem auf Milongas erlebten Tango, bei dem viel extrovertierter getanzt wird, auch auf die Gefahr hin, dass eine Tänzerin mal ein wenig die Bodenhaftung verliert. Da fliegen Beine, gibt es Showeinlagen, profilieren sich Tänzer, ohne den Fokus auf ihren Tanz-Partnerinnen zu haben. Hatte ich nicht irgendwo mal gelesen, ein guter Tänzer sein der, der die Frau mit schönen Schritten zum leuchten bringt? Ich habe an diesem Abend zwei Paare gesehen, vielleicht drei, die so tanzten. Eines davon waren meine Tanzlehrer. Wie schön!

Dear English readers! The English translation of this post will follow later, I hope you will forgive me for this delay!

Dear English Readers


Dear English readers! I would like to explicitly address you to ask whether there is need or interest in me writing an English version for the first posts in this blog. I only started adding an English version until one month into writing my blog. My background is a bilingual one: I grew up in Berlin in the american sector and went to school to a German-American School, which allowed me to feel at home in both languages. Some thoughts are even more easily expressed in English. I would be thankful for some feedback whether it is worth the effort for me to translate some older posts. Thanks!

Donnerstag, 21. März 2013

Fridge-Hugs


Behäbig aber sehr geduldig – stoic and very patient 

Seitdem ich Tango tanze habe ich ein ganz anderes Verhältnis zu meinem Kühlschrank. Er ist nicht eingebaut, sondern steht einzeln in der Küche und ist fast ständig im Einsatz als Ersatz-Tanzpartner. Okay, er ist etwas behäbig. Aber er erlaubt mir ganz entspannt Haltung, Torsion, Achten, Ballance, Fußfreiheiten zu üben. Zuverlässig steht er da und mault nicht, tritt mir nicht auf die Füße und ist vor allem jederzeit bereit für ein kleines Tänzchen. Auf Strumpfsocken dreht es sich auf dem Fliesenboden besonders gut, ich krame nicht immer meine Tanzschuhe heraus, sondern schmeiße mir meine derzeitige Lieblingsmusik an, umarme meinen Kühlschrank und tanze.

Since I have started dancing Tango, I have developed a very special relationship to my fridge. He stands apart in my kitchen and is constantly misused as dance partner. Certainly, he has a sedate temper, but he allows me to practice in an easy-going manner my bearing, dissociation, ochos, ballance, foot decorations. He is a very reliable partner, stoically letting me try out, move, dance. I don't change into dance shoes - socks have just the right gliding on my kitchen tiles and give me good ground contact. I simply put on my favorite Tango music, embrace my fridge and dance...

Dienstag, 19. März 2013

Twice Dissociated


Two aspects of dissociation


Eine spannende Beobachtung für mich ist die Tatsache, dass im Tango der Körper in der Mitte, im Bauchraum also, geteilt wird. Alles oberhalb dieser Trennung strebt nach oben, als wäre man am höchsten Punkt des Kopfes aufgehängt. Das macht einen graden Rücken, eine offen Brusthaltung und empfänglich für die Führung des Partners. Und natürlich produziert dies die typisch "stolze" Haltung des Tangos. Alles unterhalb dieser Trennung im Bauchraum strebt nach unten, die Beine sind locker und schwer, die Fußballen als wären sie magnetisch und würden vom Boden angezogen. Auch der Beckenboden fällt schwer nach unten. Ich stelle mir manchmal vor, ich hätte eine Art Akkordeon-Zieharmonika im Bauchraum, die ich beliebig bewegen kann.

Dieses Bild hilft mir auch beim zweiten Teil der Trennung, der "Torsion". Derweil der Oberkörper zum Partner ausgerichtet bleibt, führt der untere Teil des Körpers ein eigenes Leben und dreht sich unabhängig vom Oberkörper nach rechts und links, wie z. B. beim Ocho. Das ist eine ungewöhnliche Bewegung, die ich immer wieder üben muss. Aber nur diese Trennung und Bewegungsfähigkeit gibt den Beinen dann den wunderschönen Tango-typischen Freiraum.

Oben und Unten getrennt und doch vereint auf dem Weg zur idealen Tango-Haltung.

It is quite astonishing for me to see that Tango divides the body into two parts right in the middle, in the stomach area. Everything above the stomach is orientated upwards, as if was attached to a string at the highest point of my head. This assures a straight back and an open chest, which is important for leading and following. And evidently, it creates the typically "proud" bearing of a tango dancer. Everything below the stomach is orientated downwards, hip and legs are heavy, the balls of the feet seem to be magnetic and cling to the floor. I sometimes imagine having an accordion bellows in my stomach area, allowing for all sorts of dissociations.

And exactly in "dissociation", this image helps me a lot too. While the upper part of the body stays strictly orientated towards the partner, the lower part moves and turns independently, for example in the Ocho. This is a very unusual movement I have to practice again and again. But only this dissociation allows the legs and feet to move as expressively and beautifully as is typical in Tango.

My body dissociated, an accordion bellows in the stomach, I happily strive on on my way to the ideal Tango posture. 


Freitag, 15. März 2013

Two Months




Seit genau zwei Monaten schreibe ich diesen Blog und habe grade gesehen, dass ich schon über 2000 Besucher hatte. WOW! Ich bin beeindruckt! Am Anfang stand das Bedürfnis, meine Eindrücke beim Tango-Lernen aufzuschreiben, eine Art Tango-Tagebuch zu führen, damit mir die vielen Gedanken und Erkenntnisse dieses Prozesses nicht verloren gehen. Und dank der Anonymität des Netzes kann ich das auch relativ ungeniert tun. Ich freue mich über das Interesse aus dem weiten Tango-Universum und schreibe und zeichne fröhlich weiter!

Exactly two months ago I started writing this blog. And I have just seen that I have just trespassed the 2000-mark of visitors. WOW! I am impressed! The starting point was my need to note down my impressions and thoughts triggered by the process of learning tango, to write a sort of tango-diary. Thanks to the anonymous space of the worldwide web, I can do this very openly and shamelessly. Motivated by the interest of the tango-universe, I will write on happily!

Mittwoch, 13. März 2013

Il Gato 2



Ich habe grade einen Tango-Tänzer entdeckt, der mich über alle Maßen fasziniert. Maximiliano Cristiani heißt er und hat eine unglaubliche Eleganz in seinen Bewegungen – fließend, humorvoll, pointiert. Diese riesigen, gleitenden Schritte... Seine Füße scheinen wie die Tatzen eines Katers oder gar Tigers, der weich und sicher tritt, überhaupt meint man, einem selbstbewussten geschmeidigen,  Kater zuzuschauen. Dazu hat er sich ein Image zugelegt - mit 20er Jahre Frisur und Anzügen mit diesen beuteligen Hosen und schmalem engen Jackett, die seine Bewegungen noch mehr unterstreichen. Einfach Wonne!

I have just discovered a tango dancer who leaves me slack-jawed. Maximiliano Cristiani has won many prizes and fascinates through his extremely elegant movements –  flowing, humorous, passionate and precise. Those huge, gliding steps... His feet resemble the paws of a tom cat or tiger, stepping very softly and confidently. In fact, in all his movements resembles a self-conscious, sleek, elegant tom cat. Plus his 20s hair style and those slacking wide trousers and close fit jacket which underline his movements... what a pleasure to watch!

Here is a clip taken in January of this year together with Jesica Afenoni - as recent as can be - enjoy!




Freitag, 8. März 2013

Pulsating Pauses




Die Pause, das Warten, die Lücke zwischen zwei Momenten, zwei Tönen, zwei Bewegungen – Sie ist kein Stillstand sonder Spannung, Erwartung, Luft holen, Herzschlag. Gehalten wird sie durch das was davor und das was danach kommt. Ohne Pausen ist Musik atemlos, ist ein Tango gehetzt und ruhelos. Da wir meist ein recht ruheloses Leben leben gehen uns die Pausen oft abhanden, das Gefühl dafür. Ihr Genuss auch. Es fällt uns schwer, Pausen, Stille auszuhalten. In Zeiten von Depressionen und Burn-Out erkennen Wissenschaftler immer mehr, wie wichtig Pausen sind. Im Tango werden Pausen, wird das Warten kultiviert. Aus der Notwendigkeit, auf eine freie Fläche zum Tanzen zu warten, um die Musik zu spüren, um Pausen in der Musik auszudrücken, einfach um Inne zu halten.

To pause, to wait, this gap between moments, between notes, between movements – it's not a standstill but suspense, expectation, breathing, heartbeat. The pause is sustained through that what happens before and afterwards. Without pauses, music seem breathless, a Tango scampered and restless. Since we lead restless lives, we tend to loose track of pauses, forget their significance. We find it difficult to bear pause, silence, stillness. But in times of depression and burn-out, science rediscovers the importance of pauses in everything we do. Tango cultivates pauses, cultivates waiting. In order to wait for a room to dance, to feel the music, to express pauses in the music or simply to hold the moment.

Dieser überraschend unspektakuläre Filmclip der Totis gefällt mir sehr. Sie strahlen hier eine große Ruhe aus und tanzen Pausen so inniglich und genüsslich, dass es eine Freude ist. Da ist kein Stillstand, keine Leere, nur pulsierende Pausen. Es gibt genügend andere Clips im Internet, in denen die beiden zeigen, wie viel vorzügliches Temperament sie besitzen, wie viel Akrobatik und Raffinesse sie beherrschen. Hier ist die Show sekundär, hier tanzen sie einfach Tango.

I very much like this surprisingly unspectacular film clip of Los Totis. They dance very calmly here, celebrating pauses beautifully. There is no blankness, standstill, only pulsating breaks. There are plenty clips around with the two of them showing their spirit, their ability and refinement. Here, the show is on a different level. They dance tango.

Los Totis dancing OIGO TU VOZ, Caló Berón

Mittwoch, 6. März 2013

Stumbling and Flying


Eine Milonga in der Provinz. Hier begann vor zwei Jahren meine Lust, Tango tanzen zu lernen. Denn während unten im Saal ein Mal im Monat die Tische und Stühle beiseite geschoben wurden und Tango-Musik durch den Raum schwebte, probte oben im Saal mein Orchester. Nach jeder Probe blieb ich unten hängen und schaute zu, wie sich die Tanzpaare geschickt durch den kleinen Raum bewegten, genoss die Musik und spürte der Sehnsucht in mir nach.

Gestern war wieder Probe. Und Milonga. Schon während des zarten Haydens war es schwer, den rollenden Beat des Tangos, der nach oben drang, zu ignorieren. Kaum war die Probe vorbei, zog ich meine Tanzschuhe an und gesellte mich in die Milonga. Und tanzte tatsächlich das erste mal "öffentlich" jenseits der Räume von Tangonido! Was soll ich sagen – plötzlich lief gar nichts mehr. Ich war schon alleine froh, nicht auf Füße zu treten oder gar zu stolpern. Das ist wie wenn man still in seinem Kämmerlein sein Instrument übt und dann zum Lehrer kommt – plötzlich klappt keine Passage mehr und man macht Fehler an Stellen, an denen man das nicht für möglich gehalten hätte. Nun, so war es, und da ich das ja zu genüge vom Instrument spielen kenne, irritierte es mich auch nicht über die Maßen.

Dies ist kein Blog über Superwoman (auch wenn manchmal ein wenig über Catwoman), sondern einer über mein Lernen. Und da gehört vor allem und essentiell das Stolpern und Straucheln dazu. Alles fühlte sich plötzlich anders an. Ich stolperte etwas aufgeregt durch den Raum, fand die Stimmung wunderbar und genoss es, mitten drin zu sein. An Schweben oder Gleiten nicht zu denken. Ich hatte auch endlich die Gelegenheit, mit einem anderen Tänzer als meinem Tanzlehrer zu tanzen und ertappte mich bei einem erstaunten Gefühl, dass das überhaupt funktioniert. Erfahrener Tänzer der er war, bugsierte er mich sicher durch den Raum. Und das war manchmal schon ein kleines Bisschen wie Fliegen...


A milonga in a province town. Two years ago, my yearning to learn to dance tango was triggered here. While once a month the chairs and tables were moved to the side and tango music began to float through the lower hall, my orchestra rehearsed in the upper rooms. After each rehearsal, I got stuck in the milonga, watching the dancers, enjoying the music and feeling the yearning grow inside.

Yesterday again the orchestra rehearsed. And yesterday again was milonga. Already while rehearsing the delicate Hayden it was difficult to ignore the rolling tango beat permeating through the walls. Once the rehearsal was over, I put away my instrument and on my dancing shoes and mingled into the milonga. And indeed, I danced "publicly" for the first time outside the walls of Tangonido! Alas – suddenly everything was different and the most simple things did not work. I was happy not to stumble or tread on anyones feet. It's like when you practice your instrument at home and then play for the teacher – suddenly the well rehearsed passages don't work and you make mistakes in previously absolutely carefree passages. Well, since I am aware of this effect through my learning and teaching of music, I was not so terribly irritated. Still, everything felt different.

This is not a blog about Superwoman (even though sometimes a little about catwoman), but about my learning. Stumbling and tripping are an essential part of every learning process. Excited and stumbling, I moved through the room, enjoyed the atmosphere and was glad to be right there. Certainly not a notion of  floating or gliding. And finally I had the opportunity to dance with someone else but my teacher. I had to smile about my astonishment  – it actually did work! He was an experienced dancer in my size (I am rather tall), and moved me around the room expertly. And that felt at certain moments a little like flying... 



Montag, 4. März 2013

Rolling Stones




Alles auf dieser Welt scheint einen möglichst stabilen Zustand anzustreben, zumindest für kurze Zeit. Der Stein rollt den Berg hinunter, bis er irgendwo hängen bleibt und wieder liegt. Elemente teilen sich, reagieren, bis wieder stabile Strukturen entstehen. Sogar das Chaos strebt laut Entropie der größt möglichen Verteilung zu, um in ihr einen stabilen Zustand zu erreichen. Alles pulsiert zwischen den beiden Polen Bewegung und Stabilität. Stabilität - Impuls - Bewegung - Stabilität.

Wen wundert es, dass es auch im Tango um nichts anderes geht? Meine heutige Tango-Stunde hat mir das wieder einmal deutlich vor Augen geführt. Mittlerweile schaffe ich es schon ganz gut, in meiner eigenen Achse ruhend zu stehen. Stabilität. Und zu warten. Auf einen Impuls von meinem Tanzpartner. Er bewegt meinen Oberkörper, ein Bein folgt dieser Bewegung, um meine natürliche Ballance nicht zu verlieren und das andere Bein folgt alleine durch sein Eigengewicht und durch das Bestreben, wieder die stabile, ruhende Mittelachse zu erreichen, und schließt. Stabilität - Impuls - Bewegung - Stabilität.

Hier passt das Bild des rollenden Steines hervorragend. Denn durch sein Eigengewicht rollt er erst träge, dann aber zügig über den Boden bis zu seinem neuen Ruhepunkt. Manchmal stelle ich mir vor, dass meine Füße schwere Steine sind, die von einer ruhenden Position zur nächsten "rollen" oder verschoben werden. Oder Sandsäcke. Dann habe ich das Gefühl, schwer und tief im Boden zu stehen, geerdet zu sein, und kann mich ganz entspannt in das Wechselspiel zwischen Stabilität und Bewegung einfinden und darin aufgehen.


Everything in this world seems to strive for the utmost stable state, at least for a certain amount of time.  A stone will roll down the hill until it gets stuck somewhere or finds some other steady state. Elements are split, react, until a new steady state is achieved. Even chaos strives for the entropic state of largest dispersion possible to thereby find a steady state. Everything pulsates between the two poles of movement and stability. Stability - impulse - movement - stability.

No wonder, the same applies for tango. Todays tango lesson has once again focused me on this. I am fairly good at standing stably in my middle axis by now. And to wait. For an impulse of my leader. He moves my torso, one of my legs follows this movement as not to loose my natural ballance. The other leg follows stimulated by it's own weight and my striving to find my stable middle axis again. Stability - impulse - movement - stability.

The image of the rolling stone fits perfectly here. Through its own weight it rolls down the hill, first slowly, then swiftly, until it reaches its new steady state. I sometimes imagine my feet being heavy stones which are "rolled" or moved from one position to the next. Or maybe sandbags. Then I feel deeply rooted in the floor and can let my legs relax and naturally follow this interplay between movement and stability.

Donnerstag, 21. Februar 2013

Tango is Flow

Nach meiner letzten Tango-Stunde fuhr ich wieder einmal warm, wohlig und sortiert nach Hause und versuchte beim Namen zu nennen, was das Tango-Tanzen in mir auslöst. Es scheint mir, als ob jede meiner Bewegungen plötzlich am richtigen Platz, bedeutungsvoll und stimmig sei. Als ob ich ein anderes Gefühl für Raum und Zeit habe. Das löst eine große Zufriedenheit und Wärme aus. Woher kommt das?

Once again, after my last tango-lesson, I drove home happily, warm, relaxed and well sorted. And I tried to explain to myself, what has this effect on me. I have the feeling that my movements, gestures suddenly are harmonious and coherent. As if I had a new perception of space and time. This causes a very happy feeling of satisfaction. But how does it come about? 



Die meiste Zeit laufen wir als zwei Personen durch das Leben - ich, der äußere Mensch mit meinem Körper, seinen Freuden und seinen Unzulänglichkeiten und ich, der innere Mensch, mit meinen Gedanken, Gefühlen, Träumen, Grüblereien. Die meiste Zeit des Tages laufen die beiden neben einander her. Es gibt Momente, in denen sie sich näher sind, berühren, überlappen, und Momente, in denen sie völlig getrennt von einander funktionieren. Da ist mein Körper z. B. grade beim Wäsche aufhängen und meine Seele grübelt über die Antwort einer Freundin von vor ein paar Tagen. Oder mein Körper joggt und meine Seele und mein Geist entwerfen Projekte für den nächsten Tag. Das kenne wir alle zu genüge. Sie sind laufen getrennt neben einander her.

Beim Tango-Tanzen passiert das Erstaunliche – die beiden Ebenen berühren sich, überlappen und werden sogar eine Einheit!

Most of our lives, we act as two separate figures - me, the outside person with my body, its joys and insufficiencies. And me, the inside person with my thoughts, feelings, dreams and doubts. Most of the time, the two of them walk next to each other. Sometimes they overlap a little. My body, for example, is hanging out the laundry while my soul and mind are brooding about some comment of a close friend. Or my body is outside jogging while my mind and soul are planning projects for the next day. We all know uncountable similar situations. Our outside and inside persons are functioning separately from each other.

But now - in dancing tango, the wildest thing happens: both layers touch, overlap and even merge!





Tango ist Meditation, Tango ist Flow.

Beim Tango wird das Bewusstsein für den eigenen Körper in seiner Bewegung gestärkt. Jede meiner Bewegungen hat eine sofortige Folge, sei es dass ich stehe und warte, oder einen Schritt gehe, immer ist da der sofortige Bezug zu meinem Tanzpartner, der mich zurück spiegelt und in Beziehung setzt. Ist mein Inneres angespannt oder verkrampft, funktioniert diese Kommunikation nicht. Erst wenn ich frei atme und Innen und Außen durchlässig mache, kann ich den Bezug zu meinem Gegenüber aufbauen und mich stimmig im Raum bewegen. Zu viel Kopf – und der Körper gehorcht nicht. Zu viel Körper ohne die feinen Antennen der Seele – und ich stolpere. Nur in der Durchlässigkeit beider Ebenen kann ich Tango tanzen. Und ich bekomme sofort von meinem Tanzpartner gespiegelt, wenn ich diese Durchlässigkeit nicht habe.

Vielleicht habt ihr schon mal den Begriff "Flow" gehört, den der unaussprechliche Psychologe Mihaly Csikszentmihalyi geprägt hat. Er beschreibt genau diesen Zusatand des Verschmelzens von Handlung und Bewusstsein. Einen Ausflug in seine spannende Gedankenwelt findet ihr zum Beispiel bei Wikipedia. Ich bin überzeugt davon, dass ein versunkener Tangotänzer genau die gleichen körperlichen und psychologischen Effekte aufweist wie sie beim Flow beschrieben werden.

So ist Tango für mich eine körperbetonte Meditation, die mich erdet, mich durchlässig macht und meine Seele und meinen Körper verschmelzen lässt. Kein Wunder, dass ich mich nach dem Tango-Tanzen wie ein satter Säugling fühle!

Tango is Meditation, Tango is Flow.

When dancing tango, the awareness of my own body grows. Each of my movements has an immediate result. Whether I am standing or moving, my dance partner immediately reflects my action, gives me feed-back. If my inside-person is strained or up tight, this communication does not work. I have to breathe freely and let my inside and outside be permeable to be able to communicate my movements with my partner and to move coordinated through space. Too much of my head - and my body will not follow. Too much of my body without the fine antennas of my soul - and I will stumble. Only by merging both layers - inside and outside - can I dance tango. And the best is - I get immediate feed-back by my partner if I am not there.

Maybe you have already heard of the term "Flow", which was created by the unpronounceable psychologist Mihaly Csikszentmihalyi. He describes exactly the same state of merging action and awareness. You can find more information about his fascinating theories under Wikipedia. It is worth while reading into them a little. I am convinced, that a concentrated tango dancer shows the same bodily and psychological factors as described in the Flow experience. 

Tango seems to be a bodily conscious form of meditation which grounds me and lets soul and body merge in a very harmonious way. No wonder, I feel like a saturated baby after dancing tango!

Freitag, 15. Februar 2013

Blindfolded Steps – Tappen im Dustern




Ich freue mich über den Fortschritt im Vorwärts-Gehen, aber die meisten Schritte, die ich als "follower" (wie ist dafür eigentlich der deutsche Begriff?) gehe, sind Rückwärtsschritte. Und ich fühle mich nicht wohl mit Rückwärtsschritten, um es maßvoll auszudrücken. Da gibt es logische Gründe für: Wir gehen im Regelfall vorwärts, das praktizieren wir deutlich häufiger als die Flucht nach hinten. Unsere Gelenke sind bestens für den Vorwärtsgang eingerichtet. Außerdem tragen wir unsere Augen vorne und dieser dominierende Sinn ist für den Rückwärtsgang völlig außer Gefecht gesetzt. Das macht dreifach unsicher. Ich tappe in ein dunkles, schwarzes Nichts, taste mich mit meinem Ballen vorsichtig vor, aber sicher kann ich nicht sein, dass hinter mir kein Monster sitzt oder ein tiefes Loch sich auftut... Oft genug bin ich beim üben gegen die Küchentür oder einen Schrank geknallt. Die erste Herausforderung besteht also darin, die gesamte Verantwortung abzugeben und Vertrauen in den "leader" (Führer???) zu haben. Schon für sich keine leichte Aufgabe für eine Frau von heute.

Die zweite Herausforderung ist es, dies graziös, oder zumindest nicht polternd zu tun. Während meine Achse noch vorne auf dem Ballen liegt, schiebe ich mein Bein gestreckt und mit der Fußspitze tastend nach hinten, im Idealfall genau auf einer Achse. Erst wenn der Impuls des Oberkörpers meines leaders kommt, setze ich den Fuß richtig und verlagere das Gewicht auf diesen Fuß. Soweit sogut. Aber dabei soll bitte der Kopf wie auf einer Schiene montiert nach hinten gleiten, kein Eintauchen und Wippen. Damit kämpfe ich noch. Aber ich habe langsam verstanden, dass das mit meinen weichen Knien zusammen hängt. Beim Fuß ausstrecken nach hinten ist das Bein gestreckt, soll es doch eventuell nicht nur einen kleinen, sondern einen großen Schritt machen. Man weiß es ja nicht... Beim Gewicht Verlagern, also beim eigentlichen Ausführen des Schrittes habe ich mein Bein immer gestreckt gelassen. Hatte dadurch Schwierigkeiten, überhaupt vom anderen Fuß weg zu kommen und mein Gewicht ordentlich zu verlagern. Also dämmerte die Erkenntnis, vom Tanzlehrer beflügelt, dass ich vom Moment an, in dem ich mein Gewicht auf das nach hinten gestreckte Bein verlagere, wieder weich in den Knien werden muss, leicht nachgebe und so ganz einfach hinüber gleite. Okay, graziös muss das immer noch nicht aussehen, aber das Ziel ist der Weg...  

Was mache ich jetzt mit dem schwarzen Nichts hinter mir? Einfach einfärben! Vielleicht in ein warmes goldenes Gelb, als würde ich in ein goldenes Schimmern gleiten... 




While I am quite happy about my progress in walking forward, I am not at all at ease with the backwards steps of which we followers have to take so many. Not at ease at all! An there are terrific reasons for this: In our every-day life, we practice forward steps very frequently while we fortunately very rarely have to step back. The joints of our legs are constructed in an ideal manner for stepping forward. And finally, our eyes are located on the front side of our body, leaving us practically blind in backward gear. Three good reasons to be doubtful. Blindfolded, I enter a black and infinite space, the ball of my foot keenly gropes backward, but can I be sure there is no monster squatting behind me? No deep black hole suddenly opening? How often have I made hurtful contact with my kitchen door when practicing backward steps. The first challenge therefore must be to abandon my control mechanism and trust my leader. Not a very easy task for a modern woman.

The second challenge proves to be to do this gracefully, at least not too blundering. While my middle axis and my weight remain on the ball of my front foot, my other leg stretches out backwards, feeling it's way with the tip of the foot, ideally on on straight line. Only when I receive the impulse of my leader, do I actually take the step and bring my axis and my weight to the new position. While doing this, my head remains on one steady level, as though it were mounted on a rail. No dipping in, no bouncing. This proves troublesome for me. I slowly understand that this has to do with flexible knees. While stretching out the leg backwards, the leg is as straight as possible. When I transfer the weight to the new position, I kept my leg straight and had trouble actually leaving the last position. So slowly, with the aid of my teacher, I came to the conclusion that I must render my knees flexible again from the moment on I start to transfer my weight, bending it slightly to allow my head to stay in one hight and my weight to slide over easily. And voilà - it works! I know - for experienced tango dancers this must sound like kindergarden, but for me it is insight.

But what shall I do about the frightening black vast space behind me??? I'll color it. A warm, golden yellow, making me believe I am drifting into a golden mist...



Montag, 11. Februar 2013

Viola with a Tango-Soul

Dieses Wochenende hatte ich für den Tango völlig abgeschrieben – ein Proben-Wochenende mit Orchester stand auf dem Plan, keinen freien Abend und ziemlich sicher große Erschöpfung. Aber da hatte ich mich geirrt. Weniger mit der Erschöpfung - die war zielsicher am Platz, aber mit dem Tango! Denn meine 4-köpfige Bratschen-Truppe entpuppte sich als Tango-Truppe! Zwei der anderen Brascherinnen tanzen Tango, die eine sogar schon 7 Jahre lang. Und eine spielt sogar Bandoneon... Ich habe nicht schlecht gestaunt und schwinge mich zu der mutigen Behauptung herauf, dass Bratscher im innersten Kern eine Tango-Seele tragen! Dazu muss man als nicht-Musiker vielleicht wissen, dass die Bratscher (sie spielen in der Mitte des Orchesters die etwas zu groß geratene Violine mit einem warmen, tieferen Klang) ein wenig als die Ostfriesen des Orchesters gehandelt werden. Es gibt sogar eine eigene Website für Bratscherwitze. Sie sind die verkannten Genies des Orchesters und ihre melancholischen Seelen fühlen sich ganz natürlich zum Tango hingezogen. So betrachtet, wundert mich das gar nicht mehr. Ich werde meine Feldstudien nächstes Wochenende fortführen - da stehen die Konzerte an. Vielleicht sollten wir in den Pausen mal Tango spielen. Oder tanzen?

This weekend was sure to be lost to the tango for me - I had an orchestra rehearsal scheduled for the entire weekend, evenings occupied, fatigue certain as can be. But I was wrong. Not about the fatigue, but about the tango. My viola-section turned out to be a tango-group! Two of the other violists dance tango, one for 7 years. And one of them even plays the Bandoneon... I was quite surprised and am tempted to claim that viola-players carry in them a tango-soul. As a non-musician you might want to know that the violists are frequently misjudged and stigmatized as slow, stupid and inapt musicians - there exist an uncountable amount of jokes about the viola (the viola is the oversized violin with a beautiful warm and low-pitched sound playing in the centre of the orchestra). The viola is the misconceived genius of the orchestra and with its melancholy soul quite naturally feels akin with the tango. I should not be surprised. I will continue my studies next weekend when the orchestra will go on stage in the north of Germany. Maybe we violists should play tangos during the pause? Or even dance?

Donnerstag, 7. Februar 2013

What have your eyes done to me?!


Keiner trägt den Bogart so wie er - unvergleichlich feurig lugen seine Augen darunter hervor, begleitet von einem bezaubernden, strahlenden Lächeln - Carlos Gardel! Als Jugendliche hatte ich eine heftige Gardel-Verehrungs-Phase, an die ich jetzt etwas abgeklärter anknüpfe. Da ist diese Stimme, die berührt  und mit ihrer emotionalen Tiefe erschaudern lässt. Im Kontrast dazu scheint seine heroische, fast zu perfekte Darstellung zu stehen. Perfekt sitzende Frisur, Anzug (und Bogart) - alles unter Kontrolle, kein Chaos, kein Zufall, perfekter Charme, Inszenierung. Ist das nicht DIE Tango-Persönlichkeit? Als uneheliches Kind einer Einwanderin fehlt ihm Heimat und Zugehörigkeit. Er findet sie in der Musik und dann im Tango. Und den Halt in dieser heroischen Darstellung. Für mich scheint das die Seele des Tangos zu sein - zum Einen die Sehnsucht nach Heimat, nach großen Gefühlen, nach Verschmelzung, nach dem Ende allen Leids, auf der anderen Seite das sich über all das Erheben, mit Stolz und Struktur, Rhythmus, manchmal dem Stolz eines Ertrinkenden. So wie sich die sehnsuchtsvollen Melodien des Tangos an seiner stampfenden, geraden Struktur reiben.

Von Gardel stammt diese Interpretation des wunderschönen Vals "Yo no se que me han hecho tus ojos", der eigentlich aus der Feder von Canaro stammt, sowohl Musik als auch Lyrik. Wieder geht es hier um die Augen, Sinnbild der Seele, die verzaubern, deren Bild bis in die Träume dringt und nicht mehr aufzulösen ist. "Was haben mir Deine Augen angetan?"

Den Text habe mich mitsamt einer englischen Übersetzung hier gefunden: http://www.planet-tango.com/lyrics/yonose.htm






Nobody wears the bogart as he does, nobody's eyes are as fervent, nobody's smile as radiant and proud - this is Carlos Gardel! As a teeny I had a crush on him and traces of that are still alive in me today. There is his voice - very warm, emotional, touching and with a very special fever. On the other side his appearance - heroic, controlled, perfecty pomaded hair, clean cut suit, bogart with a little tilt... everything is perfectly staged, no chaos, no coincidence. Isn't this just THE tango figure? As an illegitimate son of a poor immigrant he has no real home, no place nor family he belongs to. He finds his home in music, in the tango. And security and foothold in his perfection and heroic appearance. To me this seems to be the soul of the tango: on one hand there is the yearning for a homeland, for big feelings, for mergence, a yearning for the end of all suffering. And on the other hand the desire to lift oneself above all this, with pride, structure, perfection, rhythm, sometimes the pride of a drowning man. The way a haunting tango-melody winds around the rhythmic and straight structure of the tango pulse.

Gardel is the interpreter of this beautiful Vals "Yo no se que me han hecho tus ojos", a beautiful vals written by Canaro - lyrics as well as music. Its hounting and sad melody contrasts the happily swinging 3/4th rhythm and Gardel just sings it to melt anyones heart... The lyrics tell again of the fascination of a womans eyes, causing sleepless nights and feverish thoughts. 

What have your eyes done to me?!

You can read the lyrics together with an english translation here:http://www.planet-tango.com/lyrics/yonose.htm

Dienstag, 5. Februar 2013

Ojos Negros




Ich war verdutzt, als ich das russische Volkslied OJOS NEGROS, was hierzulande schon fast Gassenhauer-Qualitäten hat, als Tango entdeckte. Canaro hat in einer sehr schönen Einspielung die Tango-Seele dieses Stückes zum leuchten gebracht. Und was für eine Tango-Seele! Der original Text, der laut Wikipedia von Jewhen Hrebinka stammt, steht in keinster Weise den Tango-Poemas nach. Er erzählt von brennend schönen schwarzen Augen einer Frau, die den Autor verfolgen, die er liebt und gleichsam fürchtet, weil er weiß, dass er diesen Augen sein Leben opfern würde... hach! Russische Seele! ... Oder Tango Seele? Das Tango-Kleid steht diesem Lied, als wäre es so auf die Welt gekommen. Fast unprätentiös kommt die Melodie auf dem stampfenden Tango-Rhythmus daher und rührt dennoch nicht weniger. Wie das Lied wohl von Europa nach Buenos Aires geschwappt ist?


I was quite astonished to discover the russian folk song OJOS NEGROS in a tango interpretation. Canaro lifted the veil and let the tango soul of this song appear in a beautiful recording. And what a stunning tango soul! The original lyrics (according to Wikipedia by Jewhen Hrebinka) could easily pass as a tango poema. Of the black and haunting eyes of a woman it tells, eyes that are loved and feared at the same time, for they can bring joy as well as despair... Ahhh, the russian soul! Or the tango soul???? The tango dress suits it well. Canaro lets the melody run very calmly over the rolling tango rhythm, thereby emphasizing its hidden dramatic and touching side. I prefer this version to most of the melodramatic other versions I have ever heard. But how did the tune make its way from Europe to Buenos Aires?

Here is an interpretation from Berlin dated 1929. Not only is version (as I believe the original) set in a 3/4th beat, but the musicians very dramatically play with tempo changes. Enjoy the contrast!



Montag, 4. Februar 2013

Nose or Cheek?

Kennt ihr das - man trifft einen Freund, möchte ihn umarmen und verheddert sich ein wenig bei der Entscheidung, ob man dem Gegenüber die rechte oder die linke Wange zuwendet? Beim Tango muss diese Entscheidung auch getroffen werden. Bei meiner gestrigen Milonga konnte ich bei dieser "getanzten Umarmung" sehr vielfältige Varianten beobachten, die ich in einer Skizze zusammen gefasst habe.

Am Rande - Kommentare sind sehr willkommen. Lernen ist ein offener Prozess...

Do you know the moment of hesitation and sometimes even slight chaos when you meet a friend and want to hug him? You turn him your right cheek an he his left? Well, tango, the danced embrace, has similar questions to settle before dancing and at my last Milonga I was able to observe quite a few variations which I here collect in a sketch.

By the way - comments are very welcome. Learning is an open process...



Sonntag, 3. Februar 2013

Schokoladentarte mit Tango

Als Ausgleich für mein gestriges Kneifen war ich heute auf einer Nachmittags-Milonga in der Großstadt. Eine Nachmittags-Milonga, so schien es mir, würde die Schwelle nicht so hoch halten, das müsste etwas entspannter sein und mir die Berührungsängste nehmen. Um es gleich vorweg zu nehmen: Ich habe nicht getanzt. Ich war sehr pünktlich da - schöne Räume, gute Musik, ein leckerer Milchkaffee und eine verwerflich cremige Schokoladentarte... Alles bestens. Es füllte sich langsam doch auf der großen Tanzfläche war es nie gedrängt. So konnte ich in Ruhe allen Tänzern zuschauen. Vielleicht hat dieser ausgeprägte Beobachter-Status auch verhindert, dass mich jemand zum Tanzen lockte. Vielleicht hätte ich auch mein Skizzenbuch nicht zücken sollen? Da ich nun aber Beobachter blieb, kann ich nur meine Beobachtungen und nicht meine Erfahrungen teilen.

Aber alleine das Beobachten war den Ausflug wert. Was für unterschiedliche Menschen, Tänzer, Tanzhaltungen...! Schon alleine die verschiedenen Varianten, wie die Gesichter in dieser "getanzten Umarmung" gehalten werden: Manche Frauen schauten über die rechte Schulter ihres Partners, ihre rechte Wange fast an seiner rechten Wange. Mit dem in die Ferne gerichteten Blick hatte das allerdings etwas leicht gelangweiltes. Ein viel innigerer Eindruck entstand, wenn die Frau ihre Augen schloss. Oder die zweite Variante - sie wendet ihr Gesicht dem seinen zu und berührt fast oder berührt mit ihrer Stirn seinen Kopf, seine Wange. Das habe einige Paare sehr schön dargestellt. Merkwürdig wurde es nur, wenn sie ihren Kopf zu hoch reckte und ihre Nase quasi in sein Gesicht drängte - die Nase wurde dann zur Seite gedrückt und das war auf Dauer sicher nicht sehr angenehm. Die dritte Variante, die ich beobachten konnte, war cheek-to-cheek - ihre linke Wange an seiner rechten Wange. Ein wenig sah das auch anstrengend aus, aber dennoch auch sehr innig. Jedenfalls bei dem Paar bei dem ich es beobachten konnte. Natürlich gab es dann noch alle etwas distanzierteren Varianten, ihr Kopf mehr nach links oder mehr nach rechts gedreht. Ungünstig erschien mir hier ein zu ausgeprägter Größenunterschied - eine Frau war einen Kopf kleiner als er und hatte ihre Nase quasi in seinem Brusthaar (okay, war von einem Hemd umhüllt). Ich konnte nicht ausmachen, welche Haltung am ehesten eine innigen Umarmung ausdrückte - das hing wohl weniger von der Haltung als von der inneren Einstellung ab. Die Paare, die eine Innigkeit ausdrückten, waren eine Wonne zu beobachten.

Genauso groß war die Vielfalt, die Schritte zu setzen. Es war alles dabei von fast stampfenden Schritten bis zum Gleiten. Einem Paar sah man an, dass es schon einige Tanzkurse im Standard-Tanz absolviert hatten - die Haltung und das typische Wippen oder Eintauchen in die Schritte war unverkennbar und irgendwie fehl am Platz hier. Eine sehr schlanke Frau hing an ihrem Partner und ließ sich tatsächlich wie eine Schlenkerpuppe hin und her bewegen, die Füße folgten willenlos. Da war keine eigene Energie mehr in den Füßen, in ihrem Körper, keine Seele und sie erinnerte ein wenig, ich bitte um Verzeihung, an eine dieser aufblasbaren Gefährtinnen aus dem Rotlicht-Milieu. Mehr beeindruckten mich die Tänzerinnen, die mit eigener Energie dabei waren, die Impulse aufnahmen und weiter formten.

Ich hatte auch reichlich Gelegenheit, Tanzschuhe zu bewundern! Ja, ihr wisst ja, ich habe einen Schuh-Fimmel. Zauberhafte Modelle waren da, alles von ganz flachen Turnschuhen (wie hält man es so aus, immer auf den Ballen zu stehen, ohne jemals die Ferse ein wenig auszuruhen?) bis zu unglaublich hohen Absätzen. Glitzer, Samt, Riemchen in allen Formen, auffällige rote und weiße Schuhe bei Herren... Faszinierend! Allerdings sah ich auch viele sehr gequälte Füße. Absätze, die offenbar zu hoch waren, Füße, die an manchen Stellen schon rot geschubbert waren, Pflaster an Hacken - das kann auf Dauer nicht schön sein. Bei allem Galmour dieser Schuhe lobe ich meine einfachen schwarzen treuen Begleiter, die mir noch nie Schmerzen bereitet haben.

Und die packte ich nach fast zwei Stunden auch wieder ein und ging unverrichteter Dinge aber voller neuer Eindrücke wieder nach Hause. Ich werde mich das nächste Mal wohl etwas offensiver um einen Tanzpartner bemühen müssen. Aber für dieses Mal war es ausreichend und erfüllend. Und immerhin genug Stoff für einen Blog-Eintrag!




Samstag, 2. Februar 2013

Catwoman in Aperol

Mutig wollte ich mich heute Abend das erste Mal auf eine Milonga in der Großstadt begeben - beobachten, erleben und natürlich tanzen! Die neuen, glitzernden Tanzschuhe locken (die ich mir ja erst nach dieser ersten Milonga erlaube zu erjagen), die Lust ist groß, der Abend frei... Und doch sitzt Super-Catwoman jetzt verschüchtert in der Küche und hadert mit sich. Sie hat noch nie mit jemand anderem als ihrem Tanzlehrer getanzt. Was ist, wenn sie einen anderen Partner gar nicht versteht, sich zu dusselig anstellt, einen heillosen Knoten aus ihren Beinen fabriziert, gar umfällt und ihre meine Nase blutig schlägt? Was ist gar, wenn sie den ganzen Abend überhaupt nicht aufgefordert wird, weil man ihr Anfängertum schon an der Nasenspitze (in diesem Fall noch nicht blutig geschlagen) ansieht?

Super-Catwoman kneift und ertränkt ihren Kummer in einem großen Glas Aperol-Spritz. Sie ist doch sonst nicht so schüchtern.

Lecker, der Aperol...


This was to be THE evening. I wanted to go into town to my first milonga, to watch, enjoy and, naturally, to dance! I am yearning to dance, I have an evening off and the prize would be me allowing myself to buy a new pair of tango shoes. Ideal conditions! But - yes, but - Super-Catwoman is sitting in her kitchen, intimidated and unhappy. What has happened? She has never ever danced with any one but her dance teacher. What if she does not understand her potential partner at the milonga? What if she makes a gordian knot of her legs, even trips over them and falls - a big disgrace? What if, on the contrary, nobody asks her to dance because her in this case not yet bloody nose tells of her being an absolute beginner? Or because she acts wrong, not knowing the secret formulas of this huis close?

Super-Catwoman chickens out and drowns her disappointment in a big glas of Aperol-Spritz. She isn't normally this bashful - what happend?

Hmmm - yummy - Aperol!

Freitag, 1. Februar 2013

Beredsame Blicke - El Cabeceo



Als Jugendliche lebte ich in einer deutschen Großstadt und verbrachte viel Zeit in U-Bahnen. Mit einem Buch auf dem Schoß ließ sich die Zeit recht angenehm vertreiben. Zudem hatte man die Möglichkeit, recht unauffällig immer wieder den Blick herum schweifen zu lassen und die Mitreisenden zu beobachten. Ein wunderbares Hobby! Manchmal blieb ich an einem besonderen Gesicht, einer bestimmten Mimik oder Haltung hängen, beobachtete intensiver, schon fast an der Grenze zur Impertinenz. Falls jemand zurück schaute konnte ich meinen Blick schnell in das sichere Buch zurück fallen lassen. Manchmal war das Gegenüber aber so spannend, dass ich meinen Blick nicht versteckte, sondern über das normale Maß hinaus zurück blickte. Hielt mein Gegenüber dem Blick stand und gab es dafür ein Lächeln zurück, war der Tag für mich vergoldet. Man könnte es auch Flirten nennen, aber mich interessierten nicht nur Männer. Etwas ganz anderes war es - etwas Besonderes, eine Resonanz, die mich faszinierte.

"Nonverbale Kommunikation" nennt man das und ich bin fest davon überzeugt, dass die wichtigsten Informationen nonverbal kommuniziert werden. Die Worte sind nur ein Schleier, den wir versuchen davor zu hängen, vor dem was unsere Blicke, unsere Körperhaltung, unsere Gesten sagen. Wir beherrschen sie alle, jedenfalls ursprünglich. Entweder wertschätzen und trainieren wir sie oder wir verstecken sie hinter einem besonders dicken Vorhang an Worten und Gedanken. Der Tango scheint mir ein ideales Spielfeld für diese nonverbale Kommunikation. Der Tanz an sich ist völlig nonverbal und gleichzeitig ungemein beredsam. Es geht hier viel mehr als in anderen Lebensbereichen darum, was ich mit meinem Körper ausdrücke, und das nicht alleine, sondern in einer Kommunikation zwischen zwei Menschen, im Wechselspiel Sender – Empfänger – Sender – Empfänger...

Sie findet statt zwischen diesen zwei Menschen, zwischen dem tanzenden Paar und dem sozialen Umfeld der Milonga in der sie tanzen. Dazu kommt die wunderbare Tradition des CABECEOS, eine in formelle Kleider gehüllte nonverbale Kommunikation. Ich finde das wunderbar, denn hier werden wichtige Fähigkeiten eines sozialen Gefüges trainiert. Mein Umfeld wahr nehmen, Zeichen lesen, verstehen, was wirklich gesagt wird. Davon könnte die Welt gerne etwas mehr haben. Und es macht auch noch Spaß!

Was wäre wohl passiert, wenn mich damals in der U-Bahn mein von meinem Blick aufgefordertes Gegenüber erhoben und mich zum Tanz aufgefordert hätte?



I grew up in a major German city and spent much time on subways, on my way to school or to what ever I was up to. I did lots of reading in subways, a very pleasant way of spending ones time. But my book also allowed me to watch my fellow-travellers intensely. Whenever someone looked back at me, I let my eyes drop dreamingly into my book. But people rarely look back. Only sometimes did I find a passenger who fascinated me more, a face, a tenure, a gesture, a sadness, a radiance, whatever. Then I had trouble avoiding the glance back at me and sometimes even provocatively long held it. It made my day if that person looked back and even gave me a small smile in return. You could call it flirting, but it was slightly different - my interest was independent of the gender. There was something special in these subjects of my interest - a radiance, a certain trueness...

Nonverbal communication is what I call it today. An I am convinced, that the really important informations are communicated in this way. We dress words around them, similar to a veil. Some have cultivated this natural ability, some have dressed it in thick layers of words and thoughts, not allowing any trespassing. 

Tango seems to be an ideal playground to try out, cultivate and re-learn our nonverbal communication. The dance itself is entirely nonverbal and at the same time very communicative. More than in other areas, we are brought back to the basics - what do I feel, what do I show? What does my partner communicate, how do I react to this communication, what do I send out? There is communication between the two dancers as well as between the couple and the other couples dancing on the milonga. And finally there is the CABECEO, the perfect nonverbal communication. What a wonderful invention! Playfully and very seriously at the same time, very basic but essential communication is trained and I believe, we could have more of that in our world! On top, it is incredible fun!!!

What would have happened if in my old days, riding the subway, my thus challenged vis-à-vis would have stood up and asked me for a dance?